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Ausgabe Nr. 39 / 12-2007
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Konsens in der Rechtschreibung zeichnet sich ab
Die Rechtschreibreform hat nach den verschiedenen Revisionen eine problematische Situation hinterlassen: zahllose Variantenschreibweisen (aufwendig/aufwändig), darunter Varianten, die keine sind, da sie einen Bedeutungsunterschied ausdrücken (wohl bekannt/wohlbekannt), Einebnungen von Schreibweisen, die bisher zur Bedeutungsdifferenzierung auseinandergehalten wurden (gräulich statt gräulich/greulich).

Dazu eine teilweise Rückkehr zu in früheren Jahrhunderten gebräuchlichen Grossschreibungen (im übrigen, bei Weitem/bei weitem, aufs Beste/aufs beste, aber weiterhin vor allem, am besten), Wirrwarr bei analogen Fällen (19-jährig, 32stel, 2fach / 2-fach, 90er, 90-mal 19jährig), falsche Herleitungen (belämmert, Quäntchen) und vieles mehr.

Entstanden ist das Durcheinander unter anderem, weil zwei konkurrierende Systeme ineinander verschachtelt wurden: ein streng systematischer und ein semantischer Ansatz. Der streng systematische Ansatz mit der Einebnung von Bedeutungsunterschieden vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung löste so viel Kritik aus, dass zum herkömmlichen semantischen Ansatz zurückgerudert werden musste. Statt sich für ein System zu entscheiden, wurden die Varianten nebeneinander stehen gelassen.

Varianten sind in der grafischen Industrie unbeliebt. Sie sind kostentreibend, weil sie zu Unsicherheit führen, weil Hausorthographien erstellt werden müssen, die naturgemäss unterschiedlich ausfallen. Schon früh in der Geschichte der Vereinheitlichung der Rechtschreibung drängten die Buchdrucker auf Festlegung auch der schwierigen Bereiche Gross- und Kleinschreibung und Getrennt- und Zusammenschreibung. Konrad Duden tat ihnen den Gefallen und brachte 1903 den Buchdrucker-Duden heraus, der 1915 mit Dudens Orthographischem Wörterbuch zum Duden vereinigt wurde.

Die Rechtschreibreform ging von zwei Ansätzen aus, die sich im nachhinein als problematisch herausgestellt haben: erstens sollte die Rechtschreibung für den Schreibenden – vor allem den Wenigschreiber, den Schüler – einfacher werden, auch wenn damit eine Erschwernis des Lesens in Kauf genommen werden muss. Zweitens glaubte man die Rechtschreibung streng logisch definieren zu können.

In der Rechtschreibung spielen viele Kriterien ein Rolle: Tradition, Unterscheidungsschreibung, Aesthetik, Phonetik, Etymologie –  Logik auch. Streng logisch kann die Rechtschreibung aber nicht sein. Warum sollte sonst die Vokallänge auf zwei, manchmal drei oder vier verschiedene Arten markiert werden? Man müsste beispielsweise bot und das Boot gleichschalten (was die Reformer anfänglich tatsächlich wollten).

Es gibt millionenfach mehr Leser als Schreiber. Schon deshalb muss der Leser im Vordergrund stehen. In einer Zeit, in der das Lesen allgemein und die Zeitungen besonders in der Defensive sind, ist es falsch, dem Schreiber das Schreiben zu Lasten des Lesers einfacher zu machen. Zeitungs- und Buchverleger wollen vielmehr das Lesen fördern, indem sie dem Leser den Zugang zu den Texten erleichtern, wie das die herkömmliche Rechtschreibung tut.

Die SDA hat deshalb zusammen mit der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) Empfehlungen für eine Rechtschreibung erarbeitet. Die Empfehlungen halten sich zwar möglichst an das neueste amtliche
Regelwerk (2006), weichen aber dort ab, wo die Schreibweisen das Lesen
erschweren oder nicht sprachrichtig sind. Es handelt sich um Bereiche,
die der Rat für Rechtschreibung zweifellos demnächst überarbeiten wird.
Abweichungen empfiehlt die SOK auch bei Fremdwörtern, die in der Schweiz
zurückhaltender eingedeutscht werden. So soll eine sprachrichtige und einheitliche Rechtschreibung in der Deutschschweizer Presse erreicht werden.

Die SOK hat die Empfehlungen kürzlich an ihrer vierten Tagung in Zürich vorgestellt. Zahlreiche Zeitungen wie auch die SDA haben signalisiert, dass sie die Empfehlungen der SOK umsetzen wollen.

Peter Müller, Direktor Marketing und Informatik

 
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