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Die Endurance im Eis. Schneemännchen mit Lichtern und Seile dienen der Orientierung in der Nacht. |
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Nachtaufnahme der im Eis festsitzenden Endurance. |
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| KEYSTONE - ein Bildarchiv als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft |
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Seit ihrer Gründung 1953 als Schweizer Niederlassung der 1891 gegründeten, amerikanischen "KEYSTONE View Company" haben viele Bilder den Weg zu KEYSTONE und von KEYSTONE zu ihren Kunden gefunden. Die seit 2008 zur SDA-Gruppe gehörende KEYSTONE verfügt über einen eigenen Archivbestand von über 11 Millionen Bilder, wovon rund drei Millionen Bilder via Internet-Datenbank abrufbar sind. Zusammen mit dem zu KEYSTONE gehörenden Photopress-Archiv verfügt KEYSTONE über das wohl bedeutendste Schweizer Bildarchiv zur sozialen Geschichte unseres Landes.
Seit Mitte der 1980er Jahre hat die Bedeutung von Bildarchiven zugenommen. Mitte der 1990er Jahre, mit dem Internet-Zeitalter, hat KEYSTONE begonnen, die Bildbestände digital zu erarbeiten. Wenn ein Bild online nicht abrufbar ist, existiert es heute nicht. Die meisten Kunden vergessen immer wieder, dass die Bildbestände noch nicht vollständig digitalisiert sind. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es jedoch nur möglich, thematisch vorzugehen, d.h. es werden jene Bilder digitalisiert, die aufgrund eines Jahrestages, eines Jubiläums oder einer Grossveranstaltung erneut wichtig sind. Die anderen Bilder, jene, die ebenfalls erfasst werden müssen, warten so auf "ihren Tag".
Seit mehreren Jahren hat sich KEYSTONE auf den Vertrieb von Sammlungen spezialisiert. Mit dem Vertrieb so namhafter Kollektionen, wie dem Thomas-Mann-Archiv, dem James-Joyce-Archiv oder dem Robert-Walser-Archiv hat sich KEYSTONE auch international einen Namen gemacht. Seit einem Jahr vertreibt KEYSTONE die Bilder der Fotostiftung Schweiz und seit kurzem eine der berühmtesten Sammlungen überhaupt, die Bilder der Royal Geographical Society.
Seit ihrer Gründung, 1830, hat die Royal Geographical Society zahlreiche Expeditionen organisiert und finanziert und war zusätzlich unter den Förderern der Shackleton-Expedition 1914. Der australische Fotograf Frank Hurley schloss sich der Expedition an und dokumentierte sie.
Frank Hurleys Bilder aus den frühen Tagen der Expedition, als die "Endurance" zum ersten Mal in den Treibeisgürtel fuhr, zeigen wundervolle, kühne abstrakte Muster; die Stellung der Schiffsmasten gegen das Eis oder das Kreuz aus Mast und Rahen vor einer Rinne offenen Wassers. Die Bilder spiegeln die eigenwillige Empfindung wieder, die gesamte Antarktis vor sich zu haben wie eine weisse Leinwand, in die sich die klaren, gestochenen Linien der "Endurance" und ihre Schatten einätzen. Hurleys Sensibilität für das stets wechselnde Spiel des Lichts, dieses Spektakel von Himmel und Eis und Schatten, sind einzigartig, schreibt Caroline Alexander in einem 1998 erschienen Buch.
In seinem Tagebuch schreibt Hurley: "Die Arbeit in der Dunkelkammer gestaltet sich extrem schwierig bei diesen Temperaturen, draussen sind minus 25 Grad. Die Dunkelkammer über dem Maschinenraum wird mit Hilfe eines Ofens bei einer Temperatur über dem Gefrierpunkt gehalten. Es ist sehr umständlich, die Platten zu waschen, denn der Tank muss warm gehalten werden, damit die Platten nicht in einem Eisblock eingeschlossen werden. Nachdem ich das Wasser einige Male gewechselt habe, bringe ich die Platten in Sir E's Kabine, die im allgemeinen eine einigermassen gleichbleibende Temperatur hat. Die trockenen Platten werden aufgestellt & sorgfältig katalogisiert. Die Entwicklung ist eine Qual für die Finger (...)"
Im August 1915 schreibt Hurley: "In der Nacht machte ich Blitzlichtaufnahmen des vom Eis bedrohten Schiffes. Ich brauchte dazu etwa 20 Blitzlichter, eins hinter jeder Aufgipfelung des Packeises und nicht weniger als 10, um das Schiff selbst zu beleuchten."
Die "Endurance" wird im Oktober 1915 von den Eismassen zerdrückt und sinkt. Auf abenteuerliche Weise kann die ganze Mannschaft der Expedition im August 1916 gerettet werden und mit ihr auch die in einem wasserdichten Blechkanister eingelöteten Glasplatten und Negative von Frank Hurley.
Der Fotobestand der Society ist legendär und von unschätzbarem Wert, aber selbst in dieser Gesellschaft nimmt die Hurley-Sammlung einen Ehrenplatz ein. Als die "Endurance" sank, gelang es Frank Hurley, alle 6 3/4 x 8 1/2 Inch und die Hälfte der 4 3/4 x 6 1/2 Inch Glasplatten-Negative zu retten; sie sind derzeit im Besitz der Royal Geographical Society's Picture Library. Ausserdem konnte er ein Album bereits entwickelter Fotos retten. Die Fotos aus diesem Album vermitteln zumeist ein ungeschminktes Bild vom Leben an Bord des Schiffs vor dem Einbruch der Katastrophe. Nachdem sich Hurley gezwungen gesehen hatte, seine Ausrüstung im Ocean Camp zurückzulassen, machte er schliesslich achtundreissig Aufnahmen mit seiner kleinen Taschen-Kodak; auch diese Bilder gehören zur Sammlung der Royal Geographical Society.
Archive haben Zukunft, vor allem digitalisierte Archive. Die Zugänglichkeit zu historischen Bildbeständen ist aus kultureller, jedoch auch sozialer und historischer Perspektive von enormer Bedeutung. Nicht nur KEYSTONE muss einen gangbaren Weg zur Digitalisierung ihrer Bestände finden. Auch Schweizer Verlagshäuser und Schweizer Firmen, selbst Sammlungen wie die Fotostiftung Schweiz sind derzeit mit den gleichen Überlegungen beschäftigt. Es ist unabdingbar, dass man hier einen gemeinsamen Weg beschreitet und nach gemeinsamen Lösungen sucht.
Jann Jenatsch, CO KEYSTONE
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