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Ausgabe Nr. 59 / 12-2012
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Ausblick Anlagejahr 2013: Weiter hohe Risiken, aber bessere Ausgangslage als im Vorjahr

Der Ausblick auf das Börsenjahr 2013 ist wie üblich mit vielen Fragezeichen gespickt. Insgesamt scheinen die Risiken aber geringer und die Zuversicht der Analysten und Ökonomen grösser als vor einem Jahr. So erwarten denn die meisten der Auguren für das kommende Jahr trotz aller Unsicherheiten eine positive Entwicklung der Aktienmärkte.

Im auslaufenden Jahr 2012 haben sich die Befürchtungen eines nervösen und volatilen Handelsverlaufs zumindest für das erste Semester bestätigt. Nachdem die EZB aber die Märkte im Frühsommer hatte davon überzeugen können, dass der Euro durch alle Böden hindurch verteidigt und auch Griechenland nicht fallengelassen werde, ging es, ausgehend vom Jahrestiefpunkt von Anfang Juni – von kleinen Rücksetzern abgesehen –, nur noch nach oben. Das Sommer- wurde übergangslos zum Jahresendrally, was dem schweizerischen Leitindex SMI ein Jahresplus bis dato von rund 17 % einbrachte.

Aktuell wird in Börsenkreisen darauf hingewiesen, dass die Märkte überkauft seien und es deshalb jederzeit zu Rückschlägen kommen könne. Insgesamt wird die Bewertung der Aktien aber noch immer als attraktiv angesehen und als die Anlagekategorie mit den grössten Chancen. Begründet wird dies unter anderem mit dem weiterhin extrem tiefen Zinsniveau mit gar negativen Realzinsen oder mit der vorhandenen Überschussliquidität.

Weiterhin wird die Politik die Musik am Börsenparkett mitbestimmen. Das grosse Thema zum Jahresende ist das Haushaltsbudget der USA. Gelingt es nicht, das «Fiscal Cliff» mit den automatischen Steuererhöhungen und gleichzeitigen Ausgabenkürzungen zu umschiffen, dürfte das Wachstum in den USA im kommenden Jahr einen empfindlichen Dämpfer erleiden. Unter den Marktexperten herrscht aber die Einschätzung vor, dass sich die Demokraten und Republikaner nur schon aus Eigeninteresse – und wenn auch zeitlich knapp – zu einem tragfähigen Kompromiss durchringen werden.

Konjunkturell dürften sich die USA demnach weiterhin solid entwickeln, und auch aus Asien sollten weitere Wachstumsimpulse kommen, nachdem China die Talsohle – bei einem BIP-Wachstum von noch immer über 7 % – offenbar durchschritten hat.

Das Sorgenkind der Weltkonjunktur bleibt Europa mit den bekannten Problemstaaten im Süden. Die meisten Ökonomen erwarten dennoch im Anschluss an die aktuelle leichte Rezession eine Rückkehr in die Wachstumszone im zweiten Semester. Die Prognosen für das BIP-Wachstum in der Schweiz bewegen sich mehrheitlich im Rahmen zwischen 1 und 1,5 %. Dies entspricht beispielsweise auch der jüngsten Vorhersage der SNB. Etwas pessimistisch zeigt sich in dieser Hinsicht Julius Bär: Die Bank sieht für die Schweiz beim Wachstum im Jahr 2013 lediglich eine «solide schwarze Null».

Dass Aktien weiterhin gefragt bleiben dürften, wird unter anderem auch damit erklärt, dass die Investoren im aktuellen Umfeld mehr Risiken eingehen müssten, nur schon um die Kaufkraft zu erhalten. «Verglichen mit Anleihen und Geldmarktanlagen, machen Aktien einen sehr überzeugenden Eindruck», heisst es beispielsweise in einem Ausblick von Rothschild Wealth Management. Aber nicht nur relativ, sondern auch absolut gesehen, seien viele Aktienanlagen vielversprechend. Die Aktien internationaler Spitzenunternehmen seien fair bewertet und würden gute Dividenden zahlen, so das Institut.

Und UBS Wealth Management schreibt im CIO-Bericht für das kommende Jahr, Aktien seien attraktiv bewertet, wobei insbesondere Europa und die Schwellenländer langfristig gute Möglichkeiten böten. US-Aktien verfügen gemäss diesem Bericht über ein Aufwärtspotential von 25 bis 30 %, wobei hier ein Anlagehorizont von zwei bis drei Jahren als Ausgangslage genommen wird. Aktien aus Europa und den Schwellenländern würden überdies noch attraktiver erscheinen.

Die amerikanische Bank Morgan Stanley sieht gemäss ihrer Europa-Strategie Ausblick 2013 ein zweistelliges Wachstum für Aktien im Bereich des Möglichen. Auf zwölf Monate gesehen, habe der Aktienindex MSCI Europe ein Aufwärtspotential von rund 10 %, so die US-Bank.

Die meisten Banken weisen in ihren Anlagestrategien darauf hin, dass das Anlagejahr zwar erneut schwierig werde, dass man aber mit gezielt ausgesuchten Titeln durchaus gute Möglichkeiten habe. Das Hauptaugenmerk bei diesen Aktien sollte auf einer starken, weltweit diversifizierten Marktposition sowie auf einer soliden und nachhaltigen Dividendenausschüttung liegen.

Charlie Fehrenbach, awp