header
Ausgabe Nr. 68 / 03-2015
dt | fr     Home
Editorial

Zukunftsglaube

Nein, so genau weiss es wohl niemand, wohin die Reise in die digitale Zukunft für Medien geht, und was die Medienunternehmen in dieser Zukunft erwartet. Aber selbst in einem kleinen und stark regional ausgerichteten Markt wie die Schweiz, wo viele Entwicklungen verzögert eintreffen, ist eines sicher: Wer stehen bleibt und sich der digitalen Herausforderung nicht stellt, wird es sehr schwer haben. Die Mediensysteme sind im Umbruch.
Mittendrin in diesen Mediensystemen sind die Nachrichtenagenturen. Und auch wenn gescheiterte Propheten Mantra mässig behaupten, die Zeit der Agenturen sei längst vorbei, beweisen diese weltweit, dass sie für ein funktionierendes Mediensystem sehr wichtig sind, und ihr Geschäftsmodell durchaus erfolgreich sein kann. Denn Nachrichtenagenturen folgen seit je der industriellen Logik, die der Digitalisierung inne ist. Sie optimieren Abläufe, sind in der Lage Skaleneffekte zu erzielen, und ihre Produkte sind, dank standardisierten Prozessen, vielseitig verwendbar. Ihre Unabhängigkeit und in der Schweiz zudem die Mehrsprachigkeit machen Nachrichtenagenturen deshalb zu klassischen Grundversorgern der Medien.
Natürlich müssen sich auch Agenturen wandeln. Sie müssen neue Bedürfnisse erfüllen und müssen ihre Produkte an die Entwicklungen der Kunden anpassen. Sie müssen die technischen Möglichkeiten nutzen, um noch effizienter zu werden, und sie müssen Mehrwerte schaffen, die den Kunden Arbeit abnehmen.
Die sda ist in dieser Richtung unterwegs. Im Mai legen wir die Produktion der Basis- und Online-Dienste zusammen und werden damit für die digitale Nutzungen deutlich attraktiver. Auch wir wissen nicht, was die Digitalisierung alles bringt, aber wir blieben nicht stehen. Deshalb heisst das Projekt «sda future», - weil wir an die Zukunft glauben.

Bernard Maissen
Chefredaktor

Bernard Maissen (sda); Winfried Kösters (sda); Karl Wüst (sda); Stefan Baumgartner (Si); Thomas Pentsy (AWP); Catharina Graf (KEYSTONE); Flora Holder (news aktuell)
Koordination: Dania Ammann (sda); Francis Roelofsen (sda)

Bild: KEYSTONE/Ennio Leanza
Der Schweizer Feuilleton-Dienst ist 75. Seit 1993 kooperiert er mit der sda. Eine Erfolgsgeschichte.

«Michels Tod hat mich betroffen gemacht», sagte der Genfer Regisseur Pierre Morath dem Reporter, der ihn für die Sommerserie «Dokufilm Schweiz»  des Schweizer Feuilleton-Dienstes (SFD) porträtierte. Moraths Film «Chronique d’une mort oubliée» (2012) erzählt die traurige Geschichte eines Mannes, der in einer Genfer Sozialwohnung gestorben war und erst 28 Monate später entdeckt wurde. Wie alle Texte des SFD ging auch Moraths Porträt über das Netz der sda an die Deutschschweizer Medien. Zusammen mit den anderen 13 Texten der Sommerserie wurde es zudem in einem – so die NZZ am Sonntag – «lebendig geschriebenen, kleinen, aber feinen Buch» publiziert. Es ist das fünfte, das der SFD beim Limmat Verlag herausgegeben hat.

Die breite Streuung seiner Texte ist möglich geworden, weil der Verein SFD seit 1993 mit der sda kooperiert. Seither verfügt er als Mitglied der sda-Kulturredaktion über einen Arbeitsplatz – ausgestattet mit einem 50-Prozent-Pensum – in Zürich. Finanziell getragen wird der SFD von Subventionen des Bundes, zudem von Beiträgen von Kantonen und Gemeinden. Wie diese Gelder – insgesamt 200‘000 Franken pro Jahr – verwendet werden, ist im Kooperationsvertrag mit der sda geregelt.

Gegründet wurde der SFD um die Jahreswende 1939/40 vom Zürcher Schriftsteller und Journalisten Hans Rudolf Schmid, einer der Leitfiguren der Geistigen Landesverteidigung. Die zentrale…

+ mehr