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Ausgabe Nr. 68 / 03-2015
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Der SFD hat sich dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Innovation verpflichtet. Mit seiner grenzüberschreitenden Berichterstattung unterstützt er die Verständigung und kulturelle Vielfalt in der Schweiz. (Bild: KEYSTONE)
Der Schweizer Feuilleton-Dienst ist 75. Seit 1993 kooperiert er mit der sda. Eine Erfolgsgeschichte.

«Michels Tod hat mich betroffen gemacht», sagte der Genfer Regisseur Pierre Morath dem Reporter, der ihn für die Sommerserie «Dokufilm Schweiz»  des Schweizer Feuilleton-Dienstes (SFD) porträtierte. Moraths Film «Chronique d’une mort oubliée» (2012) erzählt die traurige Geschichte eines Mannes, der in einer Genfer Sozialwohnung gestorben war und erst 28 Monate später entdeckt wurde. Wie alle Texte des SFD ging auch Moraths Porträt über das Netz der sda an die Deutschschweizer Medien. Zusammen mit den anderen 13 Texten der Sommerserie wurde es zudem in einem – so die NZZ am Sonntag – «lebendig geschriebenen, kleinen, aber feinen Buch» publiziert. Es ist das fünfte, das der SFD beim Limmat Verlag herausgegeben hat.

Die breite Streuung seiner Texte ist möglich geworden, weil der Verein SFD seit 1993 mit der sda kooperiert. Seither verfügt er als Mitglied der sda-Kulturredaktion über einen Arbeitsplatz – ausgestattet mit einem 50-Prozent-Pensum – in Zürich. Finanziell getragen wird der SFD von Subventionen des Bundes, zudem von Beiträgen von Kantonen und Gemeinden. Wie diese Gelder – insgesamt 200‘000 Franken pro Jahr – verwendet werden, ist im Kooperationsvertrag mit der sda geregelt.

Gegründet wurde der SFD um die Jahreswende 1939/40 vom Zürcher Schriftsteller und Journalisten Hans Rudolf Schmid, einer der Leitfiguren der Geistigen Landesverteidigung. Die zentrale Aufgabe des SFD war es, «Zeitungen und Zeitschriften mit wertvollem Feuilletonmaterial schweizerischer Autoren zu bedienen». Zu bekämpfen galt es Einflüsse, die dem Wesen der Schweiz zuwider liefen.

Von dieser – kriegsbedingten – Maxime hat sich der SFD weit entfernt. Heute berichtet er nicht mehr nur über Schweizer Literatur, sondern auch über Theater, Musik, Film, Bildende Kunst, Fotografie, Architektur oder Kulturpolitik. Zudem ist er der kulturellen Verständigung in der Schweiz verpflichtet, der Verständigung über die Sprachgrenzen hinaus, der Verständigung aber auch zwischen der Schweizer Bevölkerung und Menschen, die in die Schweiz einwandern. Der SFD unterstützt eine offene Schweiz, eine Schweiz, die stolz ist auf die Vielfalt ihrer Kulturen. Damit entspricht er den 2012 in der Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamtes für Kultur (BAK) und der sda getroffenen Zielen. Auch seine Sommerserie von 2011, «Die neuen Schweizerinnen und Schweizer» mit Porträts von Eingewanderten, hat das BAK mit Mitteln aus dem Verständigungskredit finanziert.

Den Aufbruch, den die vom Bundesrat Ende 2014 verabschiedete «Kulturbotschaft 2016-2020» signalisiert, hat der SFD in seiner Vernehmlassung mit deutlichen Worten begrüsst. Gerne unterstützt er mit seiner grenzüberschreitenden Berichterstattung diese Botschaft, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Innovation verpflichtet ist.

Karl Wüst, Redaktor Kultur
 

Die Buchpublikationen des SFD:

«Grüezi Salaam Ciao», Verlag Orell-Füssli, Zürich 2006

«Mutter, wo übernachtet die Sprache. Porträts mehrsprachiger Autorinnen und Autoren in der Schweiz». Limmat Verlag, Zürich 2010

«Wenn es um die Wurst geht, kämpfe ich. Porträts neuer Schweizerinnen und Schweizer». Limmat Verlag, Zürich 2011

«Wer nicht gern Traktor fährt, muss nicht Bauer werden. Porträts von Stiftinnen und Stiften in der Schweiz». Limmat Verlag, Zürich 2012

«Talentschmiede Schweiz. Porträts junger Kulturschaffender». Limmat Verlag, Zürich 2013

«Ins Landesinnere und darüber hinaus – Perspektiven des Schweizer Dokumentarfilms – Porträts». Limmat Verlag, Zürich 2014