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Ausgabe Nr. 64 / 03-2014
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Editorial

Der Schein trügt

Tagein, tagaus liefert die sda-Redaktion ihren Kunden zuverlässig in drei Sprachen Meldungen über das Geschehen in den Regionen, in der Schweiz und in der Welt. Seit jeher ist das der Auftrag der nationalen Nachrichtenagentur. Und seit jeher bemühen wir uns, die sich ändernden Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen, ohne jedem Modetrend nachzujagen. Ziemlich unspektakulär könnte man meinen, langweilig und monoton. Doch weit gefehlt. Nicht nur sorgt allein die Aktualität ständig für neue Herausforderungen, auch das Unternehmen und die Redaktion entwickeln sich laufend weiter. Ohne viel Brimborium hat sich der Newsroom - es gibt ihn seit 1980, doch damals hiess er noch Grossraumbüro - der sda in letzten Jahren stark verändert. Die Organisation innerhalb der Redaktion und die Abläufe wurden angepasst und schlanker gemacht, und neue Projekte werden in- und ausserhalb des Mutterunternehmens immer wieder lanciert. Über zwei solche Projekte erfahren Sie im Newsletter mehr. Da ist einerseits der Umzug unseres Nachtdienstes nach Sydney und andererseits das Corporate Publishing Team von SDA/AWP Multimedia. Kleine, aber feine Projekte, die stets vom Geist der sda getrieben werden, auch in einem schwierigen Umfeld den verschiedensten Kunden ein qualitativ hochstehendes Produkt zu einem guten Preis anbieten zu können.

Bernard Maissen, Chefredaktor

Mitgearbeitet an dieser Ausgabe haben:
Bernard Maissen (sda); Béat Grossenbacher (sda); Winfried Kösters (sda); Peter Josi (sda); Roman Eberle (Si); Thomas Pentsy (AWP); Thomas Peterhans (AWP); Catharina Graf (Keystone); Andrea Menken (news aktuell); Jens Petersen (news aktuell)
Koordination: Therese Hirsbrunner und Dania Ammann (sda)
Bild: Keystone / Fabrice Coffrini
Seriöse Agenturarbeit und der Kundenwunsch
Der Bundesgerichtskorrespondent der sda hat zwei Hauptaufgaben: Er (oder sie) muss aus der enormen Fülle an Urteilen diejenigen herausfischen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind und die ausgewählten Entscheide in einen gut verständlichen Text fassen. Das Bedürfnis der Medien und der Leserschaft nach emotionalen Themen, packenden Geschichten und sensationellen Neuigkeiten ist gross. Bundesgerichtsurteile enthalten häufig entsprechenden Stoff und die Agentur kann zur Erfüllung dieser Ansprüche beitragen. Sie muss dabei aber Vorsicht walten lassen.

Pflicht zur Differenziertheit
Gegenüber den von einem Urteil betroffenen Parteien und dem Thema selber ist die nötige Distanz zu wahren. Das gilt insbesondere bei sehr aufwühlenden Fällen wie etwa dem Mord am Au-Pair Lucie oder bei emotional besetzten Bereichen wie internationalen Kindsentführungen durch einen Elternteil. Hier besteht ein grosses Bedürfnis der Medien nach «Betroffenheits-Journalismus» mit Statements der involvierten Personen. Das muss aus meiner Sicht für die Agentur mit ihrem Anspruch an Objektivität ein Tabu bleiben.

Im Kampf um Kunden ist die Verlockung für die Medien stark, dem eigenen Text oder Beitrag eine möglichst grosse Bedeutung zu verleihen. Der Wunsch nach einer möglichst klaren Aussage, nach Zuspitzung und Verallgemeinerung birgt die Gefahr, gewisse Elemente aus den meist sehr differenzierten Erwägungen eines Urteils auszublenden oder zumindest in den Hintergrund zu rücken und andere Details aufzublasen. Während anderen Medienschaffenden in gewissem…
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