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Ausgabe Nr. 66 / 09-2014
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sda Nachrichten

Radionachrichten verlesen aus dem Hauptsitz der sda
120 Jahre sda - Die Entwicklung

Sport, Finanznachrichten, Bild und Communiquédienst
1927 verzichtete die sda auf eine eigene Sportberichterstattung und übernahm stattdessen eine Mehrheit, später das gesamte Aktienkapital der 1922 gegründeten Sportinformation Arnold Wehrle & Co. Weniger glücklich als in der Erfolgsgeschichte Sport operierte die sda vorerst bei Finanznachrichten und beim Bild. Die sda überliess den Finanzdienst von Anfang an der Cosmographique. Als diese an Reuters verkauft wurde, gab es vorderhand keinen schweizerischen Finanzdienst mehr. Erst als die 1957 gegründete awp Finanznachrichten AG 2002 zum Verkauf stand, gelang der sda der Wiedereinstieg in diesen wichtigen Markt, indem sie AWP schrittweise übernahm. Heute hält sie noch 50 % des AK.

Dass Bilder eine steigende Bedeutung in der Nachrichtenvermittlung bekamen, realisierte die sda früh: Sie gründete mit Eugen H. Suter zusammen 1931 die Photopress AG, die rasch zur führenden Bildagentur in der Schweiz wurde. Die Agentur ging dann mehrheitlich an den Jean-Frey-Verlag, die sda behielt einen Exklusivvertrag mit ihr. Dieser führte nach dem Aufkommen von Keystone Anfang der 70er Jahre zu Problemen, worauf auch die sda ihren Anteil an Jean Frey abtrat und damit aus dem Geschäft mit Bildern ausschied. Bei jedem Besitzerwechsel von Keystone war die sda danach Kandidatin für die Übernahme; es gelang jedoch nie. Erst beim Verkauf von Keystone 2008 konnte sich die sda mit 40 % beteiligen, 60 % gingen an die österreichische APA.

Ein weiteres wichtiges Standbein für Nachrichtenagenturen ist die Übermittlung von Medienmitteilungen. Einen Vorläufer für einen solchen Dienst gab es bereits in der Zwischenkriegszeit in Form des Tractatus-Dienstes. In den 80er Jahren begann die sda, Medienmitteilungen unter dem Titel OTS (Original Text Service) anzubieten. Im Jahr 2000 gründete sie mit dem deutschen Partner dpa die news aktuell AG zur Vermarktung des Dienstes; sie hält heute 50 % des AK. Keystone führt ein Pendant dazu, die für diesen andern Zweck wiederauferstandene Photopress AG.

Ab 1950 war der Telefonnachrichtendienst TND ein wichtiger Teil in der Angebotspalette der sda. Aus ihm wurde mit dem Aufkommen des Internets in den 90er Jahren der Onlinedienst der sda gebildet. Weitere wichtige Spezialdienste, die heute noch bestehen, sind die Regionaldienste, der People-Dienst, der Archivdienst sda-Direct oder der Selektionsdienst sda-Selektiv.

Die sda versuchte auch in zahlreichen anderen Bereichen neue Dienste zu erschaffen. Dazu gehören der Audiodienst, die Infographik, Fertigseiten, das Branchen-Übermittlungsnetz MediaConnect, die alle nach einer gewissen Zeit wieder eingestellt werden mussten, weil sie nicht tragfähig waren oder obsolet geworden waren.

Die Technik
Die sda spielte von Beginn an eine Vorreiterrolle in der Übermittlungstechnik und später der IT in den Medien. Nach dem Ersten Weltkrieg führte sie als erste der kleinen Nachrichtenagenturen Europas die Funk-Telegrafie ein. Während der nächsten 50 Jahre beherrschte das Rattern der Fernschreiber die Redaktionsstuben der Medien, bis leisere Drucker und schliesslich die Übertragung von Computer zu Computer eingesetzt wurden. Nach einem kommerziell missglückten Fernsatzdienst war die sda in den 80er Jahren die erste Redaktion in der Schweiz, die an Bildschirmen arbeitete. Spektakulär war ab 1994 der Ersatz des Fernschreibernetzes durch die Satellitenübertragung. Sie wurde 10 Jahre später durch die neuen, zunehmend sicherer werdenden Übertragungsmöglichkeiten über das Internet ersetzt.

Die Neuzeit
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war gekennzeichnet von einem steten Aufschwung, immer mal wieder unterbrochen von einer Krise. 1967 zog die sda aus dem zu klein gewordenen Gebäude an der Gutenbergstrasse in Bern in den vierten Stock des Postbahnhofs an der Schanzenstrasse um. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Direktors Siegfried Frey wurde Georges Duplain zum neuen Direktor gewählt, der nach seiner Pensionierung 1979 von einem Triumvirat abgelöst wurde, bestehend aus dem Chefredaktor Hanspeter Kleiner sowie dem kaufmännischen und dem technischen Direktor, Willy Schaer und Peter Müller. Im gleichen Jahr zog die sda an den heutigen Standort in der Länggassstrasse um. In den 80er Jahren wurden moderne Führungsinstrumente eingeführt. Nun wurden auch Spezialdienste neben dem Basisnachrichtendienst eingeführt, und dieser wurde auch an Nichtmedien verkauft. 1988 wurde nach dem Ausscheiden von Chefredaktor Hanspeter Kleiner mit Oswald Sigg erstmals ein Nichtjournalist Chefredaktor der sda, der aber bereits 1991 wieder von einem Journalisten, Bernard Reist, abgelöst wurde, der gleichzeitig zum Sprecher des Triumvirats bestimmt wurde. Als Reist 2005 zum Informationschef der Walliser Kantonsregierung gewählt wurde und in seinen Heimatkanton zurückkehrte, übernahm Bernard Maissen den Posten als Chefredaktor. Zum Präsidenten der Geschäftsleitung wurde der Finanzdirektor, Markus Schwab, ernannt, der 2003 den in den Ruhestand tretenden Willy Schaer ersetzt hatte. Die sda mit ihren Tochtergesellschaften und Beteiligungen wurde zu einer Gruppe umgebaut. Nach der Pensionierung des Direktors Marketing & Logistik Peter Müller 2010 wurde Adrian Häsler als Finanzdirektor in die Geschäftsleitung gewählt, während Markus Schwab den Bereich Beteiligungen übernahm.

Nach der Aufgabe des Schweizer Dienstes der AP ist die sda wieder wie in ihren Anfangsjahren alleinige Agentur in der Schweiz. Dies entspricht allerdings der Situation in allen vergleichbaren Ländern. Weniger denn je scheint die Medienlandschaft eines kleinen Landes mehr als eine Nachrichtenagentur tragen zu können, so wünschbar dies aus journalistischer Sicht auch wäre.

Peter Müller, sda-Direktor Marketing & Logistik von 1976 bis 2010