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Ausgabe Nr. 70 / 09-2015
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Sportinformation Si

Die Schwedin Erica Jarder beim Weitsprung an der Leichtathletik-WM in Beijing.

Die Abschlusszeremonie der Leichtathletik-WM im Bird’s Nest Stadion in Beijing am 30. August 2015.
Ein spezielles (WM-)Abenteuer

Eine Reise nach Peking – in meinem Fall an die Leichtathletik-WM - ist nicht nur ein grosses Abenteuer, sondern auch eine Art Lebensschule. Man lernt geduldig zu sein, lernt, mit nicht immer ganz einfachen Situationen umzugehen. Zudem wird einem rasch bewusst, wie bevormundet die Leute dort sind. Google, Facebook und YouTube beispielsweise funktionierten ausser im Leichtathletik-Stadion nicht. Es gibt auch viele Kameras, die das Geschehen überwachen und gewöhnungsbedürftig sind.

Das grösste Problem stellt aber die Kommunikation dar. Selbst dort, wo es heisst, dass Englisch gesprochen wird, ist dies kaum der Fall. Deshalb ist es wichtig, jeweils möglichst gut vorbereitet zu sein. Nimmt man beispielsweise ein Taxi, die es in der chinesischen Hauptstadt wie Sand am Meer gibt, ist es von absoluter Wichtigkeit, den Zielort in chinesischen Schriftzeichen zeigen zu können oder bei Sehenswürdigkeiten mit Bildern zu operieren. Selbst dann ist es aber nicht selbstverständlich, wirklich am gewünschten Ort anzukommen. Dennoch ist das Taxi in Peking ein geeignetes Transportmittel, es ist sicher und billig. In der U-Bahn dagegen kann das Aussteigen durchaus eine Herausforderung sein. Wenn es viele Leute hat, wird nicht wie hierzulande gewartet, bis alle draussen sind. Ohnehin können die Chinesen nicht als besonders rücksichtsvoll bezeichnet werden.

Im Hotel sowie in der Olympia-Anlage waren die Leute aber stets freundlich und hilfsbereit. Es war allerdings zu spüren, dass die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Gegensatz zu den Olympischen Spielen 2008 nicht oberste Priorität genossen und nicht die besten Leute am Werk waren. Die Organisation war zwar in Ordnung, es gab aber doch den einen oder anderen Mangel. Auch die Stimmung im Stadion hätte besser sein können, obwohl viele Zuschauer ins «Vogelnest» strömten. Arbeitstechnisch war die Zeitverschiebung von sechs Stunden Gold wert. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, nach den Wettkämpfen Pressekonferenzen zu besuchen und die Texte mit den dort erhaltenen Aussagen und Informationen zu veredeln. Dadurch wurde aber der ohnehin schon intensive Arbeitstag weiter in die Länge gezogen.

Die Olympischen Winterspiele 2022 sind in Peking bereits präsent. So wurde in der sehenswerten Touristenattraktion Himmelstempel, in der die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien jedes Jahr für eine gute Ernte gebetet hatten, bis ins Detail darüber informiert. In sieben Jahren werden sich die Chinesen dann mit Sicherheit von ihrer allerbesten Seite zeigen. Ein spezielles Abenteuer bleibt Peking aber dennoch.

Sascha Fey, Redaktor Sportinformation