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Ausgabe Nr. 71 / 12-2015
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An den Finanzmärkten bleibt 2016 alles beim Alten

Das Motto für 2016 lautet: Es bleibt alles beim Alten. Die Weltwirtschaft wird weiter wachsen, wenn auch verhalten und mit deutlichen regionalen Unterschieden, die Inflationsraten werden niedrig bleiben, ebenso die Zinsen. In diesem Umfeld Renditen zu erzielen, bleibt die grosse Herausforderung für Investoren.

Auch bei den Einflussfaktoren wird sich kaum etwas verändern: Die Geldpolitik der führenden Notenbanken, das Weltwirtschaftswachstum sowie die Entwicklung bei den Rohstoffpreisen werden das Marktgeschehen weiter beeinflussen.

«Die Renditen und Wachstumsraten der Vergangenheit sind passé», erklärt etwa Neil Dwane, Global Strategist & Europe CIO Equity bei Allianz Global Investors. Selbst um vergleichsweise niedrigere Gewinne erzielen zu können, werden die Anleger deutlich höhere Risiken eingehen müssen. Statt sich bei der Anlageentscheidung auf einzelne Regionen zu fokussieren, rate er daher, nach Unternehmen Ausschau zu halten, die noch Wachstumspotenzial bieten.

«2016 wird ein Double von 2015»
Thomas Stucki, CIO bei der St. Galler Kantonalbank, erwartet speziell für den Aktienmarkt: «2016 wird ein Double von 2015». Das bedeute, dass es immer wieder zu Rückschlägen kommen werde. Ähnlich wie 2015 seien Kurskorrekturen von bis zu 10% durchaus denkbar. Insgesamt dürften die Aktienmärkte ähnliche Wechselbäder wie 2015 erleben. Und doch bleiben Dividendentitel eine wichtige Anlageklasse im Portfolio, meint der CIO. Denn solange die Zentralbanken ihre expansive Geldpolitik betreiben, ist nicht mit einer deutlichen Verbesserung an den Anleihemärkten zu rechnen.

Schaut man sich die Asset Allocation bei der Kantonalbank an, so bleiben Aktien die wichtigste Anlageklasse. In einem Portfolio für Privatkunden beträgt der Aktienanteil 55%. Es folgen Obligationen mit einem Anteil von 44% und Liquidität mit 1%. Bei der Wahl der Aktien empfehlen die Experten der St. Galler Kantonalbank keine Branche im Speziellen. Vielmehr sollten Anleger breit gestreut investieren. Einen Bogen sollten sie allenfalls um rohstofflastige Sektoren machen. Hier sei die nahe Zukunft noch nicht so genau abzuschätzen. Zudem seien Dividendentitel nach wie vor eine gute Wette.

Aktien gehören in jedes ausgewogene Portfolio
Andere Häuser wie die UBS, die Credit Suisse (CS), Julius Bär und die Deutsche Bank raten ebenso dazu, in einem ausgewogenen Portfolio Aktien zu bevorzugen. Nach Ansicht von Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz bei der UBS, sollte ein ausbalanciertes Portfolio zu 42% aus Aktien bestehen, gefolgt von Bonds (35%), Alternativen Investments (18%) und Barmitteln (5%). Den Schweizer Aktienmarkt selbst bewerte sein Haus aktuell neutral, mit einer klaren Präferenz für Midcaps und Dividendentitel.

Eine Vorliebe für Small & Midcaps hegen auch die Experten der CS. Die Aktien der kleinen und mittelgrossen Schweizer Unternehmen seien noch vergleichsweise günstig bewertet, sagt Anja Hochberg, Chief Investment Officer Schweiz & Europa. Sie seien in den Monaten nach dem SNB-Entscheid, die Euro-Mindestgrenze aufzuheben, von einer grösseren Unsicherheit behaftet gewesen. «Hier fährt man wieder mehr auf Sicht, die Visibilität ist grösser». Die erwarteten Umsatzsteigerungen sollten die Kurse treiben.

Schweizer Anleger sollten Schweizer Aktien bevorzugen
Grundsätzlich rät auch die CS, Aktien bevorzugt im Portfolio zu halten. Dabei könnten Schweizer Investoren durchaus verstärkt auf lokale Titel setzen. Zudem sei das Thema Dividendenrendite nach wie vor nicht ausgereizt. «Wichtig ist es, eine ausgewogene Mischung im Portfolio zu halten, um für Unerwartetes besser gewappnet zu sein», betont Hochberg. Dass Schweizer Investoren verstärkt auf heimische Aktien setzen sollten, rät auch Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär: «Schweizer Anleger sind mit Schweizer Aktien gut bedient.»

Henrietta Rumberger, AWP