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Ausgabe Nr. 72 / 03-2016
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news aktuell

Mehr Storytelling statt Produkt-PR: Das wünscht sich jeder zweite Redaktor laut Recherche 2016.

Zwei Drittel aller Redaktoren nutzen Social Media für die Recherche.
Recherche 2016: So arbeiten Redaktoren heute

Redaktoren schätzen nach wie vor Medienmitteilungen und wünschen sich von Unternehmen mehr visuell aufbereitete Inhalte. Bei der Recherche in sozialen Netzwerken steht Facebook an erster Stelle, Periscope und Snapchat dagegen ganz hinten. Wichtig ist es den Medienmachern ausserdem, von den Unternehmen schneller und offener informiert zu werden. Das ergab die grosse Umfrage «Recherche 2016» der sda-Tochter news aktuell. 351 festangestellte Schweizer Journalisten und Freie haben teilgenommen. Kai Gerwig, Geschäftsführer von news aktuell, hat die wichtigsten Ergebnisse einem breiten Publikum in St. Gallen, Basel, Bern, Zürich und Zug vorgestellt.

Die gute Nachricht vorab: Die Medienmitteilung ist keineswegs tot. Auch wenn so mancher Marketingexperte und Berater das gerne verkündet, Redaktoren sehen die Sache anders. So geben 90 Prozent an, dass sie Medienmitteilungen nach wie vor für ihre Recherchen nutzen. Zehn Prozent sprechen sogar von einer steigenden Bedeutung. Überraschend: Gerade jüngere Redaktoren, die besonders stark im Fokus des Medienwandels stehen, nutzen diese Recherchequelle besonders intensiv (94 Prozent der unter 35-Jährigen).

Trotz Digitalisierung haben persönliche Gespräche und Vor-Ort-Recherchen weiterhin einen sehr hohen Stellenwert bei den Redaktoren. Der direkte Kontakt zu Informanten wird von 93 Prozent aller Befragten gepflegt. 83 Prozent verlassen den Schreibtisch für Recherchen vor Ort. 88 Prozent setzen klassische Medien wie Tageszeitungen, Radio oder TV für die Informationsgewinnung ein.

Der Hunger nach Bildern ist in den Redaktionen in den letzten beiden Jahren weiter angewachsen. Jeder zweite Redaktor (50 Prozent) sagt, dass die Bedeutung von Fotos und Videos in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist. Ebenfalls jeder zweite Medienmacher (47 Prozent) bezeichnet es als «sehr wichtig», dass Medienmitteilungen neben dem Text auch Fotos enthalten. Mehr als ein Drittel der Befragten (31 Prozent) setzt daher auch täglich Bilder für Beiträge ein, die von Unternehmen und Organisationen bereitgestellt werden. Ebenfalls gerne genutzt werden Links mit Hintergrundmaterial (22 Prozent täglich) und weiterführende PDFs (20 Prozent täglich).

Grosser Gewinner der Umfrage ist Social Media - auch wenn einige Ergebnisse durchaus ambivalent sind. Während mehr als drei Viertel der unter 35-Jährigen mit Hilfe von Social Media recherchieren (83 Prozent), tut das nur knapp die Hälfte der über 50-Jährigen (46 Prozent). Zwar sagen 67 Prozent der Redaktoren, dass Social Media in den letzten beiden Jahren für die Recherche wichtiger geworden ist. Bei den unter 35-Jährigen meinen das sogar 78 Prozent. Insgesamt stehen die Medienmacher den Inhalten aber skeptisch gegenüber: Nur 50 Prozent binden Informationen aus sozialen Netzwerken auch tatsächlich in ihre Beiträge ein. Das stützt die These, dass Social Media eher als Rechercheeinstieg genutzt wird, und die Ergebnisse anschliessend nach traditionellen journalistischen Massstäben verifiziert werden.

Die beliebteste Rechercheplattform im Social Web ist Facebook (79 Prozent), gefolgt von Twitter (70 Prozent) und YouTube (69 Prozent). Unter den derzeit gehypten Netzwerken kann nur Instagram einen nennenswerten Nutzeranteil verbuchen (25 Prozent). Periscope (vier Prozent) und Snapchat (drei Prozent) kommen bei den Redaktoren noch so gut wie gar nicht zum Einsatz.

Mobile ist auch für die PR-Profis längst von essentieller Bedeutung. So setzen inzwischen 71 Prozent aller Redaktoren bei der Recherche ihr Smartphone oder Tablet ein. Auf dem Handy Inhalte zu lesen, die nicht für mobile Endgeräte optimiert sind, ist nicht nur für Medienschaffende eine Zumutung. Hier müssen Unternehmen aufpassen, dass sie ihre wichtige Zielgruppe nicht verprellen.

Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Medien ist laut Umfrage noch ausbaufähig. So kritisieren die Redaktoren den aus ihrer Sicht fehlenden Dienstleistungsgedanken vieler Kommunikatoren. Über die Hälfte der Redaktoren (62 Prozent) bemängelt die schleppende Beantwortung von Anfragen. Fast zwei Drittel der Befragten (60 Prozent) fordern mehr Transparenz und Offenheit in der Krisenkommunikation an. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) wünscht sich Mediensprecher nicht nur als Werber in eigener Sache, sondern auch als Branchenexperten. Solche Kontakte auf der Expertenebene können spätestens im Krisenfall viel wert sein.

Kompletter Berichtsband Recherche 2016 zum Download.

Untersuchungsdesign

Teilnehmer: 351

Zeitraum: Oktober 2015

Form: Anonyme Onlinebefragung

 

Kontakt: Kai Gerwig, Geschäftsführer news aktuell (Schweiz) AG, +41 43 960 68 01, gerwig@newsaktuell.ch



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