
Fast 100‘000 Polizisten, Soldaten und Mitarbeiter von privaten Sicherheitsfirmen stehen während der EM in Frankreich im Einsatz.
Frankreich führt innerhalb von zwei Monaten drei Sport-Grossanlässe durch. Die Fussball-EM stellt dabei sieben Monate nach den Terroranschlägen in Paris die grösste Herausforderung dar. Fast 100'000 Polizisten, Soldaten und Mitarbeiter von privaten Sicherheitsfirmen stehen im Einsatz. Unzählige Szenarien haben die für die EM aufgebotenen Sicherheitskräfte zusammen mit Feuerwehrleuten und Sanitätern in den Wochen und Monaten vor dem Turnier durchgespielt, etwa Gasangriffe auf Fanzonen oder Bombenexplosionen in den Stadien.
Trotz der ernsten Bedrohungen und den bleibenden Bildern vom 13. November bewegten wir uns angstfrei durch Frankreich. Die Gefahr eines Terrorakts in einer Metrostation oder einem Café ist zu abstrakt, um in Panik zu verfallen. Und dort, wo es für Terroristen während der EM besonders symbolträchtig wäre zuzuschlagen, haben die Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich eine beruhigende Wirkung.
Vor den Stadien verlaufen die Checks für die Journalisten wie man es von den Flughäfen kennt. Laptop auspacken, Hosensäcke leeren, Tasche aufs Band und durch den Scanner. Danach geht es durch einen Metalldetektor in einen abgesperrten Sektor vor dem Stadion. Dort wird jeder nochmals grob durchsucht. Für die normalen Tickethalter ist das Prozedere dasselbe. Nur dürfen sie keine Taschen ins Stadion mitnehmen. Ab und zu macht ein Polizeitrupp mit Spürhunden im abgesicherten Bereich rund um das Stadion die Runde.
Eine gewisse Gelassenheit
Vor den Fanzonen - die grösste unter dem Eiffelturm bietet Platz für über 90'000 Personen - finden ähnliche Kontrollen statt. Die Mannschaftshotels sind abgeriegelt, die Spieler werden mit Polizeieskorte jeweils zum Training gefahren. «Wenn wir joggen, dann kommt die Security mit. Man hat dann so ein präsidiales Gefühl», sagte Nordirlands Trainer Michael O'Neill. Die neuen Sicherheitsstandards, die Zeit und manchmal Nerven kosten, werden nicht nur von den Spielern und Trainern mit einer gewissen Gelassenheit hingenommen.
Die Fanzonen sind gut gefüllt und in den Städten ist die Stimmung mehrheitlich ausgelassen und positiv. Beim French Open, wo in den letzten Jahren jeweils rund um die Anlage von Roland Garros ein chaotisches Durcheinander herrschte, standen die Besucher diszipliniert vor den Eingängen an. Wegen der deutlich erhöhten Sicherheitsstandards beim Anfang Juni zu Ende gegangenen Tennis-Turnier mussten die Zuschauer zum Teil eine gute halbe Stunde länger anstehen. Vor dem Einlass in die Anlage wurden sie jeweils dreimal kontrolliert und durchsucht.
Bei der Tour de France mit zwei Etappenorten in der Schweiz wird eine Spezialeinheit der französischen Polizei den Tross über die gesamte Rundfahrt begleiten. Auch das eine Neuerung, die auf die erhöhte Terrorgefahr in Frankreich zurückzuführen ist. Die Budgets für alle drei Grossanlässe mussten wegen den veränderten Sicherheitsanforderungen massiv erhöht werden. Bloss fehlt es vor lauter Herausforderungen am geeigneten Personal. Davon profitierten in den ersten EM-Tagen die Hooligans, eine andere, fast vergessene Bedrohung.
Julien Oberholzer und Jonas Schneeberger, sda-Sportredaktion

