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Ausgabe Nr. 76 / 03-2017
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Das gute alte Handbuch des Agenciers als Mittel gegen «Fake News»

Der Begriff «Fake News» ist in diesen Tagen in aller Munde. Die Glaubwürdigkeit der Medien, so scheint es auf den ersten Blick, ist im freien Fall. Dieser Eindruck täuscht, zumindest für den Moment. Das Sorgenbarometer 2016 der Credit Suisse zeigt, dass 55 bis 60 Prozent der Bevölkerung der Meinung sind, dass die von Fernsehen, Radio und den Zeitungsverlagen veröffentlichten Informationen das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer geniessen. Die Werte sind gar besser als im Vorjahr. In den USA hat die Glaubwürdigkeit in die Medien jedoch bereits massiv abgenommen. Sie sank laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Gallup innert Jahresfrist von 40 auf noch 32 Prozent.

In der Schweiz hat sich das ökonomische Umfeld für die Medien in den letzten Jahren ebenfalls verschlechtert. Die Mittel, die für den Qualitätsjournalismus zur Verfügung stehen, sind massiv gesunken. Mittelfristig droht damit den hiesigen Medien das gleiche Schicksal wie in den USA, nämlich ein Vertrauensverlust und eine abnehmende Glaubwürdigkeit.

Aus Sicht des Journalismus heisst das, dass immer weniger Zeit zur Verfügung steht, um vertieft zu recherchieren und um Informationen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Das Risiko, Falschmeldungen oder Halbwahrheiten zu produzieren, nimmt damit tendenziell zu.

Goldene Regel
Parallel dazu steigt die Verantwortung der sda, die in der Nachrichtenverbreitung vielfach die erste Quelle der Information ist. Mehr denn je ist es daher wichtig, dass wir als Agenturjournalisten unser eigenes Redaktionshandbuch konsultieren und anwenden. Dort sind unsere wichtigsten redaktionellen Grundsätze festgeschrieben.

So heisst es im Handbuch wortgetreu, dass die «Zuverlässigkeit das Kapital einer Nachrichtenagentur ist. Die Meldungen müssen in jeder Beziehung zutreffend, korrekt, präzise, ausgewogen und wertungsfrei sein. Die Zuverlässigkeit geht allen anderen Grundsätzen vor, insbesondere auch der Geschwindigkeit».

Strenge Regeln gelten auch für die Quellen. Dieses Kapitel allein nimmt im Handbuch einen Umfang von zwei Seiten ein. Dort heisst es unter anderem: «Jede sda-Meldung muss mindestens eine eindeutig bezeichnete Quelle angeben, auf die sich die Meldung abstützt.» Und es folgt ein Warn-Hinweis: «Bei Quellen, die nicht namentlich genannt werden möchte, ist extreme Zurückhaltung zu üben. Dies um Manipulationen vorzubeugen.» Und schliesslich hält das sda-Handbuch fest, dass Informationen in Medienberichten (mit Ausnahme von Interviews) zu bestätigen sind.

Mut zur Korrektur
Zu erwähnen ist ferner die über viele Jahre aufgebaute und regelmässig aktualisierte «Check-List» im sda-Handbuch. Sie gibt vor, wie die Redaktion in heiklen Fragen reagieren sollte: bei Bombendrohungen, anonym zugespielten Informationen, Indiskretionen, Gerüchten oder Suiziden. Hinzu kommen die Regeln für die Auswertung von sozialen Netzwerken, unabdingbare Quellen für die Redaktion, aber auch ein Paradies für Fake News.

Fehler gibt es trotz allem täglich im sda-Dienst, sind wir doch keine Roboter. Wir stehen zu unseren Fehlern, machen sie transparent und korrigieren sie so rasch wie möglich. All diese Regeln mögen kleinkariert tönen. In Tat und Wahrheit helfen sie uns aber, Tag für Tag die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Federico Bragagnini, stv. Chefredaktor und Leiter der französischsprachigen Redaktion