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Ausgabe Nr. 77 / 06-2017
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sda Nachrichten

Pietro Supino, zurückgetretenes sda-Verwaltungsratsmitglied im Interview mit Bernard Maissen, Chefredaktor sda
Pietro Supino: «Eine leistungsfähige sda ist im Interesse aller Medien»

Mit der Generalversammlung ist Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia AG und Präsident des Verbands Schweizer Medien, aus dem Verwaltungsrat der sda ausgeschieden. In einen Interview blickt er zurück und skizziert die Rolle der Agentur in der Zukunft.

Sie treten nach sieben Jahren aus dem sda-Verwaltungsrat zurück. Was bleibt Ihnen von dieser Zeit in Erinnerung?

Pietro Supino: Die Professionalität des sda-Führungsteams und die konstruktive Zusammenarbeit im Verwaltungsrat, wo unterschiedliche Aktionäre und Kunden mit ihren je eigenen regionalen und unternehmerischen Perspektiven aufeinander treffen, das habe ich persönlich als Bereicherung erlebt.

Im sda-Verwaltungsrat sitzen private Medien mit der SRG, Vertreter von Print- und elektronischen Medien, Deutschschweizer, Romands und Tessiner an einem Tisch. Ist die sda ein Abbild des Schweizer Konsens oder ein Zeichen, wie die Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Interessen funktionieren kann?

Pietro Supino: In unserer kleinen Schweiz sind Kooperationen zwischen Wettbewerbern sinnvoll, wenn die Leistung für die Kunden nicht geschmälert, sondern im Gegenteil aufgrund von Grössenvorteilen und Effizienzgewinnen überhaupt möglich oder sogar besser wird. Eine leistungsfähige sda ist im Interesse aller Medienhäuser. Die Bedeutung von Kooperationen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Soweit die öffentlich finanzierte SRG an solchen Kooperationen beteiligt ist, müssen sie für alle Interessierten zu gleichen Bedingungen offen sein, um kontraproduktive Wettbwerbsverzerrungen zu vermeiden. Das haben kürzlich auch die Kommissionen von Stände- und Nationalrat beschlossen, wobei die sda diesem Grundsatz ja seit jeher entspricht.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an einer Nachrichtenagentur, die den Kunden und damit allen Schweizer Medien gehört? Was zeichnet die Agentur aus?

Pietro Supino: Eine der herausragenden Leistungen der sda ist das gleichwertige Angebot für die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin. Die sda trägt damit zum Zusammenhalt der Schweiz bei. Das ist nur deshalb möglich, weil die sda ihren Kunden gehört und der Zusammenhalt unseres Landes allen Aktionären ein Anliegen ist.

Die Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Welche Rolle sehen Sie in Zukunft für eine Nachrichtenagentur? Welche Aufgaben könnte die Agentur für die Kunden übernehmen?

Pietro Supino: Der Kostendruck wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die einzelnen Medien müssen sich deshalb die Frage stellen, wo sie für ihre Leser, Nutzer und Werbekunden einen echten Mehrwert erbringen können. In den Bereichen, wo das der Fall ist, werden sie investieren, um sich zu profilieren und keine Kooperationen eingehen. In allen anderen Bereichen können Kooperationen helfen, den Medienwandel zu meistern. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass die sda ihre Dienstleistungspalette in Zukunft noch ausbauen wird, etwa im Bereich Video. Gleichzeitig wird auch die sda einen Beitrag leisten müssen, um dem Kostendruck zu begegnen.

Die sda ist als mehrsprachige Agentur, die Wert auf den Austausch zwischen den Sprachregionen legt, eine klassische Service-Public-Anbieterin. Wie stellen Sie sich als grösster Aktionär der Agentur und als Präsident des Verbandes Schweizer Medien zur staatlichen Unterstützung der Service-Public-Leistungen der sda?

Pietro Supino: Medien sollten unabhängig sein und eine Kontrollfunktion insbesondere auch gegenüber den öffentlichen Institutionen einnehmen. Daraus ergibt sich ein Konflikt mit der Vorstellung einer staatlichen Finanzierung von Medienschaffenden. Die öffentliche Hand kann aber viel dazu beitragen, dass unsere Medienlandschaft so reichhaltig bleibt, wie sie es heute ist. Ganz entscheidend sind gute Rahmenbedingungen, sei es durch Investitionen in die Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Journalisten, in die Medienkompetenz der Bevölkerung, mit klaren Spielregeln für die SRG oder einem echten Bekenntnis zur Transparenz in der Politik. Es ist beispielsweise stossend, dass Journalisten, die in der Schweiz amtliche Geheimnisse veröffentlichen, dafür verurteilt werden können. Wenn die Politik die Medien darüber hinaus unterstützen will, scheint mir die sda unter dem Titel der Sprachenvielfalt ein guter Weg. Denn sie trägt als verlässliche Partnerin aller wichtigen Medienunternehmen zur medialen Grundversorgung und zum Zusammenhalt der Schweiz bei.

Bernard Maissen, Chefredaktor