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Ausgabe Nr. 77 / 06-2017
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sda Sport

Die vierte Etappe von Bern nach Villars-sur-Ollon führt das Feld durch die Kramgasse in Bern.

Die sechste Etappe von Locarno nach La Punt. Die Spitze des Feldes unterwegs auf den San-Bernardino-Pass, angeführt vom Polen Tomasz Marczynski.
Neun Tage auf Achse

Im Juni rollte wieder einmal die Tour de Suisse durch das Land, zum 81. Mal seit ihrer Gründung. Die Tour de Suisse bewegt die Menschen in der Schweiz seit Jahrzehnten. Der Radsport fasziniert weiterhin eine breite Masse – trotz all der Dopingskandale in den letzten Jahren.

Auch die Sportredaktion der sda schliesst sich jedes Jahr dem Tross der Tour de Suisse an. Durchgehend mit einem Redaktor der deutschsprachigen und teilweise mit einem der französischsprachigen Redaktion war die sda an der diesjährigen Rundfahrt präsent. Für die deutschsprachige Redaktion unterstützte ein zusätzlicher Redaktor aus dem Büro den Mann vor Ort, um das Geschehen in allen Diensten rasch, aktuell, zuverlässig und umfassend zu verarbeiten.

Die Arbeit an einer Rad-Rundfahrt unterscheidet sich von anderen Anlässen insofern, als dass man während der neun Tage ständig auf Achse ist, jeden Abend in einem anderen Hotel schläft, sich jeden Tag an eine neue Arbeitsumgebung gewöhnen muss – um sich wenige Stunden später schon zum nächsten Etappenort zu verschieben. Arbeiten, essen, schlafen und (bis zu vier Stunden pro Tag) Auto fahren – die Präsenzzeit ist lang, die Tage scheinen monoton, könnten aber abwechselnder nicht sein.

1850 Kilometer legte der sda-Redaktor dieses Jahr mit dem Auto zurück, deutlich mehr als die Fahrer (1164 km). Der Tour-Tross durchquerte alle vier Sprachregionen der Schweiz und machte zudem zwei Abstecher ins Ausland (Italien und Österreich). Die Leute schwitzten im Tessin bei 30° Celsius und froren zwei Tage später auf dem Gletscher von Sölden bei Temperaturen nahe am Gefrierpunkt.

Kein anderer Sportanlass bildet die Vielfalt der Schweiz besser ab als die Tour de Suisse, was sich am Beispiel der unterschiedlichen Mediencenter zeigen lässt. Die Arbeitsplätze werden von den lokalen OK’s für jeweils einen Tag eingerichtet, in diesem Jahr in einem modernen Eventlokal (Cham), einer Militärkaserne (Bern), einem urchigen Gemeindesaal (Villars-sur-Ollon), einem Mehrzweckzimmer eines Schulhauses (Cevio), einer Turnhalle (La Punt), einem Bergrestaurant für Touristen (Sölden) und einem VIP-Raum eines neuen Fussballstadions (Schaffhausen).

Die logistischen Vorbereitungen mehrere Wochen vor der Tour de Suisse und die ständig wechselnden Arbeitsbedingungen sind die einen Herausforderungen für die Journalisten. Zu einer anderen kann es werden, mit den Athleten zu sprechen. Schliesslich bewegen diese sich mit ihren Fahrrädern deutlich schneller vorwärts als der Journalist zu Fuss. Nach einer Etappenankunft rennen die Medienschaffenden nicht selten suchend (wichtig: Startnummern auswendig lernen), schwitzend und inmitten von Fahrern, Funktionären, Betreuern und Fans im Zielgelände umher, um an die gewünschten Personen zu kommen.

Die nicht alltäglichen Bedingungen «on Tour» dürfen keinen Einfluss haben auf die Qualität der Berichterstattung. So zuverlässig die Tour de Suisse jeden Juni durch die Schweiz fährt, so zuverlässig berichtet auch die Sportredaktion der sda davon.

Sandro Mühlebach, sda Sport