In ungeraden Jahren fehlen dem Sport die ganz grossen Höhepunkte. Es gibt keine Olympischen Spiele, und im Fussball stehen weder Europameisterschaften noch Weltmeisterschaften an. Im Februar eines jeden ungeraden Jahres ist aber die Sport-Agenda durch einen Anlass geprägt, der zumindest in unserem Land noch immer sehr bewegt: die alpinen Ski-Weltmeisterschaften, die 2009 in Val d'Isère und damit erstmals seit 47 Jahren wieder in Frankreich stattfanden.
Skirennen bescherten dem Schweizer Fernsehen stets respektable Quoten, selbst in schlechten Zeiten. Einzig wichtige Länderspiele der Fussball-Nationalmannschaft figurieren in der Beliebtheitsskala noch etwas weiter oben. Das mobilisiert die Medien, egal aus welchem Bereich. Selbst ein leicht schmuddliges Appartment ist zwar nur für einen Fünf-Sterne-Preis zu kriegen, aber das war offensichtlich nicht Abschreckung genug. Immerhin konnte im Vergleich zu einer WM in Übersee an den Reisespesen gespart werden. Und so waren alle da, und das nicht zu knapp.
In Val d'Isère war das Interesse schon beim ersten Pressetermin der Schweizer Mannschaft spürbar, im wahrsten Sinne des Wortes. In einer kleinen Bar im Kellergeschoss (mit einem Fassungsvermögen von vielleicht 30 Menschen) tummelten sich weit über 100 Personen, viele mit Kameras, Fotoapparaten und Mikrofonen bewaffnet, vor dem ersten WM-Rennen um letzte News und Bilder der vier Schweizer Starter im Super-G bemüht. Wohl dem, der im Nahkampf-Getümmel noch auf eigenen Füssen stand. Mehr 'mittendrin statt nur dabei' war nun wirklich nicht möglich.
Interviews an Grossanlässen sind generell schon schwierig. Für den Si-Journalisten kommt in den Zielräumen einer WM aber noch eine besondere Erschwernis hinzu: die Dreisprachigkeit. Die Kollegen aus Österreich haben jeweils schon längst alle ihre Fahrer abgefertigt, wenn die Schweizer noch immer auf den ersten Gesprächspartner warten.
Denn nach dem Interview mit dem Deutschschweizer Fernsehen kommt dessen TV-Kollege aus der Romandie zum Zug, dann der aus dem Tessin, dann die internationalen TV-Stationen, ehe die Dreisprachigkeit vor den Radio-Mikrofonen ihren Lauf nimmt. Jetzt kommt endlich der grosse Moment; aber Achtung, Eile ist angesagt. Spätestens nach der zweiten Antwort folgt der Aufruf "letzte Frage, die Dopingkontrolle wartet" - und man weiss: Nie waren die Infos so wichtig, die man zuvor an vergleichsweise kleinen Weltcup-Rennen gesammelt hat.
Werner Eisenring, Sportinformation Zürich
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