SDA: Béat Grossenbacher, Sie haben soeben Ihre neuen Tätigkeiten als Stellvertretender Chefredaktor und als Redaktionsleiter der französischsprachigen SDA-Redaktion aufgenommen. Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Stelle als Chefredaktor des „Journal du Jura“ zugunsten der nationalen Nachrichtenagentur aufzugeben?
Auf meine Art habe ich stets versucht, flexibel zu bleiben und neue Herausforderungen anzunehmen. Die Stelle des Redaktionsleiters der französischsprachigen SDA-Redaktion ist nach 30 Jahren Tätigkeit für Presse und im Radio eine solche Herausforderung. Die ausgeschriebene Stelle hat mich sofort gereizt, weil ich mich gut mit der Agenturarbeit identifiziere. In ihrer professionellen Gründlichkeit, in ihrem journalistischen Auftrag und in ihrer Ethik erkenne ich mich wieder.
SDA: Sie stossen zu einem Medium, das sich in erster Linie der nationalen und überregionalen Information sowie dem Schweizer Blick auf internationale Ereignisse verschrieben hat. Ist das angebracht in Zeiten, in denen insbesondere neue, regionale Fernsehsender und zahlreiche Medien vor allem auf das Regionale und das Lokale zu setzen scheinen, um ihr Profil zu verbessern?
Es stimmt, dass ich immer ein Lokaljournalist gewesen bin. Doch ich erweitere gerne meinen Horizont. Als Tages-Chef des Senders „Radio Suisse Romande“ habe ich auch eine Redaktion geleitet, die Ereignisse von nationaler oder internationaler Bedeutung abgedeckt hat. Meiner Meinung nach sind Lokalnachrichten nicht die einzige Beschäftigung regionaler Medien. Im Rahmen des Unternehmensverbandes mit dem Namen „Arc Presse“ (Anmerkung der Redaktion: sie umfasst die Tageszeitungen „L’Express“ und „L’Impartial“ aus Neuchâtel und die Zeitung „Journal du Jura“) haben wir eher die nationale und internationale Berichterstattung entwickelt.
Die SDA spielt in diesem Zusammenhang eine sehr wichtige Rolle für die Redaktionen, die sonst nicht die Mittel haben, um nationale und internationale Informationen umfassend zu verarbeiten. Am anderen Ende der Kette interessieren sich die Leser auch dafür, was im Land und in der Welt passiert. Sie wollen alles in einer einzigen Zeitung wieder finden. Das zeigen auch die Leserbriefe. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels in den Medien dürfte dieses Interesse andauern.
SDA: Der Strukturwandel ist auch bei den Nachrichtenagenturen spürbar. Kürzlich hat die SDA einen einschneidenden Sparplan für die kommenden zwei Jahre und eine unumgängliche Anpassung ihres Dienstleistungsangebotes angekündigt. Hätten sie sich nicht gewünscht, Ihre neuen Funktionen in einem günstigeren Zeitpunkt aufzunehmen?
Ich bin - ehrlich gesagt – nicht überrascht, selbst wenn ich über die Tragweite der Anpassungen, die bei der SDA stattfinden werden, noch nichts sagen kann. Wenn ich sehe, dass in der Presse die Anzeigen einbrechen und Zeitungen verschwinden, war es schon klar, dass die Agentur davon nicht verschont bleibt. Auf jeden Fall habe ich nicht die Stelle gewechselt, um mich selbst zu verwirklichen. Wir müssen jetzt die Dinge neu aufrollen und die nötigen Entscheidungen treffen, die dem Auftrag, den Kundenwünschen und den Mitarbeitenden gerecht werden.
SDA: Wie definieren Sie die Qualität und die Vorzüge der Agentur als ehemaliger Kunde?
Die Agentur stellt die nationale und internationale Berichterstattung sicher. Dies geschieht in einem Ausmass, das viele Medien kaum selbst zu bewältigen vermöchten, zumindest nicht in derselben Geschwindigkeit und in derselben Effizienz. Die SDA spielt eine Schlüsselrolle in der Alarmierung und als Sicherheitsnetz. Dies gilt besonders für Regionen. Das sind Informationen, die den regionalen Medien sonst entgehen würden. Dort, wo die Medien ein Ereignis selbst abdecken, ist die Grundversorgung der SDA ebenfalls wichtig. Die Medien können auf dieser Basis einen exklusiven Blickwinkel wählen und komplementäre Themen in ihre Berichterstattung einbauen. Die Medien schätzen darüber hinaus jene Extras und Hintergründe, die die SDA bei wichtigen Ereignissen liefert. Als Beispiel sei die Berichterstattung zur Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin und die Wahl seines Nachfolgers Didier Burkhalter erwähnt. Hier lieferte die SDA einen umfassenden Service.
SDA: Welche Veränderungen in der französischsprachigen Redaktion planen Sie nach Ihrem Eintritt? Wie wird das Gesicht der SDA in fünf Jahren aussehen?
Es wäre anmassend, bereits heute eine abschliessende Antwort auf diese Frage zu geben. Die Medienlandschaft entwickelt sich derzeit rasant weiter. Vor allem bin ich kein Einzelkämpfer. Es ist Teamarbeit. Mein vorrangiges Ziel ist es, die Teams, die Leute und ihre Ideen kennenzulernen. Das ist die Voraussetzuung, um sich weiterentwickeln zu können und um die strategischen Ziele in die Tat umzusetzen. Nach aussen hin freue ich mich auf den Kontakt mit den Kunden. Das ist eine wichtige Aufgabe, die ich sehr schätze. Es gilt, die Kundenwünsche im Auge zu behalten. Was auch immer die Mittel sein werden, die zur Verfügung stehen, die SDA muss innovativ bleiben, ohne dabei die hohe Qualität aufs Spiel zu setzen. Sie ist das Fundament des guten Rufes und das Geheimnis des Erfolges.
Marc-Henri Jobin, Leiter Logistik
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