Eines Tages wird es jedem klar: Die Technik, obwohl sie keine grossen Schlagzeilen mehr macht, drückt unserem Alltag immer stärker ihren Stempel auf. Ohne dass man es bemerkt, verstärkt sich der Einfluss der Technologien und vor allem des Internets auf verschiedenen Stufen des privaten oder beruflichen Lebens. Getragen wird dies von immer effizienteren, verführerischen und mitunter vorteilhafteren Lösungen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Leichtigkeit des Zugangs, die Wendigkeit im Gebrauch und die Verfügbarkeit sind die entscheidenden Kriterien für die Auswahl zwischen den verschiedenen Technologien. Vorher bestimmten die maximale Sicherheit, die Kontinuität und die Exklusivität die Debatte. Dieser Paradigmenwechsel ist der Grund, weshalb die SDA unter den ersten Nachrichtenagenturen war, die auf die Nachrichtenverbreitung per Satellit verzichteten und von den Vorteilen – nicht zuletzt im Preis – der Flexibilität, Effizienz und der gesicherte Verbreitung im weltweiten Netz profitierten.
Als 1995 die Verbreitung von Nachrichten über Satellit in einer Partnerschaft mit der französischen Agentur AFP aufgenommen wurde, bot sie Vorteile und unvergleichliche Perspektiven. Sie garantierte vor allem eine sehr sichere und schnelle Verbreitung an alle Kunden, zeitgleich und auf einer Ebene, welche die natürlichen Grenzen der SDA und der Schweiz bei weitem übertraf. Sie ermöglichte den Nachrichtenagenturen, ihre Informationen an die Kunden in einem geschlossenen Kreislauf zu verbreiten. Nicht-Kunden hatten keinen Zugriff und konnten sich so Nachrichten nicht gratis aneignen – oder wenn, dann mit einem beträchtlichen zeitlichen Rückstand auf die Medienprofis. Mit der Umstellung von analogen auf digitale Signale schien der Satellit über 2010 hinaus eine Zukunft zu haben.
Die Internet-Revolution übertraf das aber alles. Sie machte die Vorteile des Satelliten zunichte, indem sie die Mauer niederriss, hinter der die Informationen zirkulierten. Information verbreitet sich überall, ohne Wartezeiten, ohne Stau, gespeist von verschiedenen Kanälen, direkten oder indirekten, offiziellen oder nichtoffiziellen. Plötzlich hatte die Exklusivität der Satellitenverbreitung ihre Daseinsberechtigung verloren. Die Verbreitungsart erschien plötzlich überdimensioniert, weil sie die Möglichkeit, die Informationen «frisch zu halten» nicht mehr garantierte. Der natürliche Schutz, den die Technik vorher darstellte, war verschwunden. Die Medien müssen ihren Erfolg heute mit anderen Qualitäten sicherstellen. Dazu gehört etwa die Fähigkeit, als erste zu berichten, hartnäckig Informationen anzureichern, Informationen zu liefern, welche die Öffentlichkeit bewegen, nachdem sie streng ausgewählt, bestätigt und auf einer guten Fläche plaziert wurden.
Nachdem die Sicherheitsprobleme im Internet mit der Verbesserung des Netzes und den gesicherten Sendeprotokollen gelöst waren, kündigte die SDA im Oktober 2009 ihre Absicht an, ihre Dienste über FTP-Server zu verbreiten. Der Wechsel fand im Frühling 2010 bereits für die Mehrzahl der Kunden statt. Andere Agenturen, unter ihnen die AFP, kündigten in der Folge den gleichen Schritt an. So kam es, dass die Techniker der SDA-Logistikabteilung Ende November die 23 in allen Ecken der Schweiz verteilten Parabolantennen demontieren konnten. Das dauerte vier Tage.
Wenn 56 Kunden ihre Parabolspiegel auf dem Dach behielten und deren Wartung selbst übernahmen, taten sie das nicht aus Misstrauen gegenüber der neuen Verbreitungsart der SDA-Nachrichten, sondern um ihnen ein neues Leben einzuhauchen. Ohne grosse Anpassungen fangen die ehemaligen SDA-Antennen nämlich Dutzende von Fernseh- und Radiokanälen ein, die Hotbird verbreitet. Damit können sich die Redaktionen etwas zerstreuen oder die Ereignisse noch besser beobachten, die anderntags die «Front» aufmachen.
Marc-Henri Jobin, Leiter Logistik
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