Albert Noth, Sie gehörten 17 Jahre lang dem Verwaltungsrat der sda an. Die nationale Nachrichtenagentur und das Medienumfeld haben sich in diesen Jahren stark gewandelt. Was war für Sie die bedeutendste Veränderung? Der starke Wandel in der Medienbranche hat in der Tat zu bedeutenden Veränderungen für die sda geführt. Auf der einen Seite musste sich die Agentur spezialisieren. Sie bietet nunmehr Dienste à la carte an. Damit kommt die sda den Bedürfnissen der Kunden entgegen. Der Wandel im Markt für Informationen hat auf der anderen Seite dazu geführt, dass die sda heute im Medienmarkt eine bedeutendere und stärkere Stellung hat als früher.
Der Schweizer Medienmarkt hat in den letzten Jahren grosse Umwälzungen erlebt. Halten Sie als Vertreter der kleinen Westschweizer Verleger die Solidarität zwischen den Sprachregionen als «raison d’être» der sda für gefährdet? Es ist unbestritten, dass der Handlungsspielraum kleiner geworden ist. Zugleich sollten wir uns aber bewusst machen, dass der erste Buchstabe des Kürzels sda für «schweizerisch» steht. Das hat Konsequenzen, namentlich für das gleichwertige Angebot in den verschiedenen Landessprachen. Daraus folgt – und davon bin ich zutiefst überzeugt –, dass die sda auch in Zukunft Ergebnisse erzielen muss, die die Mehrsprachigkeit sicherstellen. Mit Blick auf das Marktpotenzial sollte es möglich sein, die Sprachenvielfalt bei der sda zu erhalten, auch wenn der Westschweizer Markt per se natürlich kleiner ist.
Mit anderen Worten, die sda hat als nationale Nachrichtenagentur eine Zukunft? Absolut. Der Kundenkreis beschränkt sich nicht nur auf die Tageszeitungen, die vor dem Hintergrund der vergangenen Fusionen über eine stärker zentralisierte Einkaufsmacht verfügen. Viel Potenzial versprechen auch die neuen Medien. Diesen neuen Kundenkreis gilt es für die sda zu erobern. Darüber hinaus bieten auch neue Dienstleistungen ausserhalb der Medien ein interessantes Entwicklungspotenzial. Die sda sollte sich überlegen, mit welchen Diensten und Angeboten sie in diese neuen Märkte vorstossen könnte.
Welche Massnahmen sollte die sda Ihrer Meinung nach zusätzlich ergreifen, um den Fortbestand der sda als nationale Nachrichtenagentur auch künftig sicherzustellen? Der eingeschlagene Weg scheint mir richtig. Es wird mehr fixfertige Angebote geben. Die Dienstleistungen für Vereine, Gesellschaften und politische Parteien werden sich ohne Zweifel weiterentwickeln. Dabei sollte die sda jedoch ihre traditionellen Partner, die Medien, nicht vernachlässigen. Jene Medien, die ihr Angebot zunehmend segmentieren. Ja, die Agentur hat eine Zukunft, davon bin ich überzeugt.
Béat Grossenbacher, stv. Chefredaktor sda
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