Die jüngste geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) konnte nicht gerade mit Überraschungen aufwarten. Einzelne Aussagen der Währungshüter wurden angepasst und bieten etwas Interpretationsspielraum. Unterm Strich bleibt aber der Nullzinskurs bestehen, und auch an der Wechselkursuntergrenze dürfte sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Die in der jüngsten AWP-Zinsprognose befragten Ökonomen erwarten in den nächsten 12 Monaten keinerlei Zinsänderungen.
So hielt die SNB vergangene Woche weiterhin an der stark expansiven Geldpolitik fest. Entsprechend will sie den Mindestkurs des Frankens zum Euro weiter «mit aller Konsequenz» verteidigen und lässt das Liborzielband auf einem Tiefstand. Die Prognose für das reale Bruttoinlandprodukt im laufenden Jahr wurde hingegen leicht nach oben angepasst, für die Inflation nach unten.
Deflationsrisiken sollten abnehmen
Ökonomen erwarten denn auch erst einen Zinsschritt, wenn – wie Vontobel-Chefökonom Ralf Wiedenmann es ausdrückt – «die Deflation zu Ende ist». Für eine Zinserhöhung brauche es wieder eine Inflation von über 1 %.
Eine Rückkehr zu solchen Preissteigerungsraten scheine aber wohl länger zu dauern, als zunächst gedacht, wirft Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank, ein. Dennoch sollte der Deflationsdruck allmählich nachlassen. «Der Basiseffekt in den Franken-Wechselkursen wird spätestens im Sommer auslaufen und im Jahresvergleich für steigende Importpreise sorgen», so der Experte. Der Rohölpreisanstieg sei derzeit allerdings noch zu gering, um die Preise kräftig nach oben zu treiben. Erst eine Eskalation im Nahen Osten hätte wohl einen deutlichen Anstieg der Energiekomponente zur Folge.
Auch laut David Marmet von der ZKB nehmen die Deflationsgefahren stetig ab. Das sollte eine Versteilung der Zinskurve zur Folge haben. Da der Wechselkurs aber wohl auch in nächster Zeit an der Untergrenze von 1.20 CHF «kleben» werde, dürfte die SNB auch in den nächsten Quartalen nicht an der Zinsschraube drehen.
Wirtschaft weiter vor Herausforderungen
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien nach wie vor eine Herausforderung und erforderten ein entsprechend tiefes Zinsumfeld, so Zeuner weiter. «Angesichts der Verbesserung der Vorlaufindikatoren haben die Rezessionsgefahren aber deutlich nachgelassen.» Die Tatsache, dass sich die Schuldenkrise leicht entspannt habe, helfe indirekt auch der Schweizer Wirtschaft. «Je schneller die Konjunktur der Eurozone wieder auf die Beine kommt, umso schneller wird auch die Schweiz die Wachstumsdelle überwinden», ist sich Zeuner sicher.
Auf eine Anhebung der Wechselkurs-Untergrenze dürften die Exporteure derweil wohl vergeblich warten. Die SNB habe vor allem die Risiken beleuchtet, welche die Notwendigkeit der Kursuntergrenze betonen, sowie ihre Entschlossenheit, diese zu verteidigen, heisst es von der UBS. Mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von lediglich 3,1 % und rekordhohen Handelsbilanzüberschüssen dürfte es für den neuen SNB-Präsidenten aber schwer sein, im Ausland eine höhere Untergrenze zu begründen – auch mit negativer Inflation. Die Notenbank werde den Wechselkurs verteidigen, darüber hinaus seien aber keine Massnahmen zu erwarten.
Sollten aber die Deflationsrisiken nicht wie erwartet zurückgehen, werden wohl wieder Forderungen nach einer Anhebung der Untergrenze laut, erwartet die VP Bank.
Nachfolgend eine Übersicht der Zinserwartungen:
3-Monats-Libor (%) (aktuell: 0,10583) |
in 3 Monaten |
in 12 Monaten
|
| CS |
0,10 |
0,20 |
| Julius Bär |
0,00 |
0,25 |
| Sarasin |
0,10 |
0,10 |
| UBS |
0,10 |
0,10 |
| Vontobel |
0,10 |
0,10 |
ZKB
|
0,10
|
0,20
|
10jähr. Eidgenossen (%) (aktuell: 0,92) |
|
|
| CS |
0,90 |
1,40 |
| Julius Bär |
0,70 |
1,35 |
| Sarasin |
1,25 |
1,50 |
| UBS |
0,80 |
1,10 |
| Vontobel |
1,20 |
1,50 |
| ZKB |
1,10 |
1,50 |
VP Bank
|
0,80
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Erster Zinsschritt SNB: |
|
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| CS |
Nicht in den nächsten 12 Monaten |
|
| Julius Bär |
März 2013 |
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| Sarasin |
Nicht in den nächsten 12 Monaten |
|
| UBS |
Erst 2014 |
|
| Vontobel |
Nicht in 2012 |
|
| VP Bank |
Derzeit nicht absehbar |
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| ZKB |
Frühjahr 2013 |
| FOKUS SPEZIAL von Dagmar Morawitz
Hinweis: FOKUS SPEZIAL erscheint jeweils am Donnerstag im Dienst von «AWP Premium»
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