Mehrere Mitglieder der Landesregierung haben die sda schon besucht, doch einen amtierenden Bundespräsidenten hatte die nationale Nachrichtenagentur noch nie zu Gast. Bis Ueli Maurer sich vergangenen Oktober die Redaktion anschaute und sich den Fragen der sda-Journalistinnen und –Journalisten stellte. Dabei blieb er seinem Image als unprätentiöses «Staatsoberhaupt» treu: Der Schweizer Regierungschef und seine Begleiter kamen mit dem 12er-Bus in die Berner Länggasse.
Ein glückliches Land, wo sich der Bundespräsident völlig unkompliziert, ohne Bodyguards und dunkle Limousine frei bewegen kann. Und eine glückliche Redaktion, die von einem Bundespräsidenten besucht und gelobt wird, der sich sonst mit den Medien eher schwer tut.
Bei diesen glücklichen Rahmenbedingungen war es denn auch nicht erstaunlich, dass der Besuch von Bundespräsident Ueli Maurer in einer entspannten und gelösten Atmosphäre stattfand. Beide Seiten waren wohl ein wenig gespannt, was sie erwarten werde.
Zunächst liess der Bundespräsident die Abläufe der Redaktion erklären. Im Newsroom, den die sda seit Mitte der 1980er Jahre betreibt und der lange einfach «Grossraumbüro» hiess, war er überrascht, über den tiefen Lärmpegel und die enge Zusammenarbeit zwischen den Sprachredaktionen. Er zeigte sich beeindruckt von der Geschwindigkeit, in der an den jeweiligen Desks Entscheide gefällt werden müssen und dem ständigen Bestreben die Qualität, die die sda-Meldungen ausmacht, auch unter hohem Zeit- und Arbeitsdruck aufrecht zu erhalten.
Im Gespräch dankte Bundespräsident Maurer den Redaktorinnen und Redaktoren für ihre Arbeit und betonte die Bedeutung der Nachrichtenagentur in der heutigen Zeit. Die unabhängige, breite Berichterstattung und der regelmässige Austausch über die Sprachregionen seien gerade in einer Zeit, in der die Medien immer weniger ihre staatspolitische Rolle wahrnehmen würden, äusserst wichtig.
Anschliessend zeigte sich der Vorsteher des VBS sehr dossiersicher, als er zum Gripen, zur NSA und zu anderen Geschäften Rede und Antwort stand. Witzig und pointiert beantwortet er auch Fragen zum Funktionieren des aktuellen Bundesrates, gab Prognosen zur Entwicklung der SVP ab und erzählte, wieso er mit einzelnen Medienschaffenden ein gespanntes Verhältnis hat und wie er Privates und Politisches trennt.
Dann war der erste Besuch eines Bundespräsidenten vorüber und Ueli Maurer machte sich wieder auf den Weg in sein Büro. Dieses Mal nicht mit Bus, er ging ganz einfach zu Fuss.
Bernard Maissen, Chefredaktor
|