Sport, Finanznachrichten, Bild und Communiquédienst 1927
verzichtete die sda auf eine eigene Sportberichterstattung und übernahm
stattdessen eine Mehrheit, später das gesamte Aktienkapital der 1922 gegründeten
Sportinformation Arnold Wehrle & Co. Weniger glücklich als in der
Erfolgsgeschichte Sport operierte die sda vorerst bei Finanznachrichten und beim
Bild. Die sda überliess den Finanzdienst von Anfang an der
Cosmographique. Als diese an Reuters verkauft wurde, gab es vorderhand
keinen schweizerischen Finanzdienst mehr. Erst als die 1957 gegründete
awp Finanznachrichten AG 2002 zum Verkauf stand, gelang der sda der
Wiedereinstieg in diesen wichtigen Markt, indem sie AWP schrittweise
übernahm. Heute hält sie noch 50 % des AK.
Dass Bilder eine
steigende Bedeutung in der Nachrichtenvermittlung bekamen, realisierte
die sda früh: Sie gründete mit Eugen H. Suter zusammen 1931 die
Photopress AG, die rasch zur führenden Bildagentur in der Schweiz wurde.
Die Agentur ging dann mehrheitlich an den Jean-Frey-Verlag, die sda
behielt einen Exklusivvertrag mit ihr. Dieser führte nach dem Aufkommen
von Keystone Anfang der 70er Jahre zu Problemen, worauf auch die sda
ihren Anteil an Jean Frey abtrat und damit aus dem Geschäft mit Bildern
ausschied. Bei jedem Besitzerwechsel von Keystone war die sda danach
Kandidatin für die Übernahme; es gelang jedoch nie. Erst beim Verkauf
von Keystone 2008 konnte sich die sda mit 40 % beteiligen, 60 % gingen
an die österreichische APA.
Ein weiteres wichtiges Standbein für
Nachrichtenagenturen ist die Übermittlung von Medienmitteilungen. Einen
Vorläufer für einen solchen Dienst gab es bereits in der
Zwischenkriegszeit in Form des Tractatus-Dienstes. In den 80er Jahren
begann die sda, Medienmitteilungen unter dem Titel OTS (Original Text
Service) anzubieten. Im Jahr 2000 gründete sie mit dem deutschen Partner
dpa die news aktuell AG zur Vermarktung des Dienstes; sie hält heute 50
% des AK. Keystone führt ein Pendant dazu, die für diesen andern Zweck
wiederauferstandene Photopress AG.
Ab 1950 war der
Telefonnachrichtendienst TND ein wichtiger Teil in der Angebotspalette
der sda. Aus ihm wurde mit dem Aufkommen des Internets in den 90er
Jahren der Onlinedienst der sda gebildet. Weitere wichtige
Spezialdienste, die heute noch bestehen, sind die Regionaldienste, der
People-Dienst, der Archivdienst sda-Direct oder der Selektionsdienst
sda-Selektiv.
Die sda versuchte auch in zahlreichen anderen
Bereichen neue Dienste zu erschaffen. Dazu gehören der Audiodienst, die
Infographik, Fertigseiten, das Branchen-Übermittlungsnetz MediaConnect,
die alle nach einer gewissen Zeit wieder eingestellt werden mussten,
weil sie nicht tragfähig waren oder obsolet geworden waren.
Die Technik Die
sda spielte von Beginn an eine Vorreiterrolle in der
Übermittlungstechnik und später der IT in den Medien. Nach dem Ersten
Weltkrieg führte sie als erste der kleinen Nachrichtenagenturen Europas
die Funk-Telegrafie ein. Während der nächsten 50 Jahre beherrschte das
Rattern der Fernschreiber die Redaktionsstuben der Medien, bis leisere
Drucker und schliesslich die Übertragung von Computer zu Computer
eingesetzt wurden. Nach einem kommerziell missglückten Fernsatzdienst
war die sda in den 80er Jahren die erste Redaktion in der Schweiz, die
an Bildschirmen arbeitete. Spektakulär war ab 1994 der Ersatz des
Fernschreibernetzes durch die Satellitenübertragung. Sie wurde 10 Jahre
später durch die neuen, zunehmend sicherer werdenden
Übertragungsmöglichkeiten über das Internet ersetzt.
Die Neuzeit Die
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war gekennzeichnet von einem steten
Aufschwung, immer mal wieder unterbrochen von einer Krise. 1967 zog die
sda aus dem zu klein gewordenen Gebäude an der Gutenbergstrasse in Bern
in den vierten Stock des Postbahnhofs an der Schanzenstrasse um. Nach
dem plötzlichen Tod des damaligen Direktors Siegfried Frey wurde Georges
Duplain zum neuen Direktor gewählt, der nach seiner Pensionierung 1979
von einem Triumvirat abgelöst wurde, bestehend aus dem Chefredaktor
Hanspeter Kleiner sowie dem kaufmännischen und dem technischen Direktor,
Willy Schaer und Peter Müller. Im gleichen Jahr zog die sda an den
heutigen Standort in der Länggassstrasse um. In den 80er Jahren wurden
moderne Führungsinstrumente eingeführt. Nun wurden auch Spezialdienste
neben dem Basisnachrichtendienst eingeführt, und dieser wurde auch an
Nichtmedien verkauft. 1988 wurde nach dem Ausscheiden von Chefredaktor
Hanspeter Kleiner mit Oswald Sigg erstmals ein Nichtjournalist
Chefredaktor der sda, der aber bereits 1991 wieder von einem
Journalisten, Bernard Reist, abgelöst wurde, der gleichzeitig zum
Sprecher des Triumvirats bestimmt wurde. Als Reist 2005 zum
Informationschef der Walliser Kantonsregierung gewählt wurde und in
seinen Heimatkanton zurückkehrte, übernahm Bernard Maissen den Posten
als Chefredaktor. Zum Präsidenten der Geschäftsleitung wurde der
Finanzdirektor, Markus Schwab, ernannt, der 2003 den in den Ruhestand
tretenden Willy Schaer ersetzt hatte. Die sda mit ihren
Tochtergesellschaften und Beteiligungen wurde zu einer Gruppe umgebaut. Nach der Pensionierung des Direktors Marketing & Logistik
Peter Müller 2010 wurde Adrian Häsler als Finanzdirektor in die
Geschäftsleitung gewählt, während Markus Schwab den Bereich
Beteiligungen übernahm.
Nach der Aufgabe des Schweizer Dienstes der AP ist die sda wieder wie in ihren Anfangsjahren alleinige Agentur in der Schweiz. Dies entspricht allerdings der Situation in allen vergleichbaren
Ländern. Weniger denn je scheint die Medienlandschaft eines kleinen
Landes mehr als eine Nachrichtenagentur tragen zu können, so wünschbar
dies aus journalistischer Sicht auch wäre.
Peter Müller, sda-Direktor Marketing & Logistik von 1976 bis 2010
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