Seit rund eineinhalb Jahren beschäftigt uns die Krise an den internationalen Finanzmärkten - und ein Ende ist nicht abzusehen. Was mit einer Krise am amerikanischen Häusermarkt anfing, hat immer weitere Kreise gezogen und sich erst zu einer Kredit- und Liquiditätskrise, dann zu einer allgemeinen Finanz- und Börsenkrise und unterdessen zu einer weltweiten Wirtschaftskrise ausgebreitet.
Im Oktober 2007 ist dann auch die Schweiz inmitten der Finanzkrise gelandet, als die UBS ihren ersten Abschreiber von rund 4 Milliarden Franken bekannt gab. Zwar hatte sich bereits im Sommer davor, als die Bank ihren CEO Peter Wuffli unter nicht ganz geklärten Umständen entlassen hatte, abgezeichnet, dass etwas nicht mehr ganz stimmte. Aber kaum jemand hätte sich damals vorstellen können, dass die Bank Milliarden-Abschreiber würde tätigen müssen.
Für AWP wurde die Finanzkrise ab diesem Moment zum zentralen Element ihrer Berichterstattung. Kaum ein Tag verging, ohne dass nicht irgendwelche Märkte - Aktien, Devisen oder Bonds - verrückt spielten, Banken Abschreibungen vermeldeten oder die Notenbanken und später die Staaten selbst helfend eingreifen mussten. Aber nicht nur über harte Facts musste berichtet werden, sondern auch über viele Gerüchte. Neben der Berichterstattung über die Facts hat AWP vor allem diejenige über das Börsengeschehen intensiviert. Kam es doch immer wieder vor, dass die wichtigsten Aktienindizes innert kurzer Zeit ein paar Hundert Punkte verloren oder - was allerdings seltener vorkam - wieder gewannen.
Dank überdurchschnittlichem Einsatz aller Redaktionsmitglieder gelang es AWP, auch Grossereignisse gut zu meistern. Absoluter Höhepunkt war dabei der 16. Oktober 2008, als das grosse Rettungspaket für die UBS bekannt geworden war. Neben Pressemitteilungen von UBS, CS, Eidgenossenschaft, Nationalbank und Bankenkommission gleichzeitig um 7 Uhr in der Früh, gab es am gleichen Tag auch diverse Telefonkonferenzen der Banken, mehrere Pressekonferenzen und sogar noch ein Mittagessen mit der Spitze der Credit Suisse zu bewältigen.
Stark gefordert seit Beginn der Finanzkrise sind auch die Kollegen der Finanzanalyse-Redaktion (Fia), welche Einstufungen und Kurszieländerungen von Bankanalysten für Schweizer Aktien verarbeiten und auswerten. Da wegen der laufend sinkenden Börsenkurse viele Analysten ihre Einstufungen und Kursziele mit teilweise hoher Kadenz zurücknahmen, musste die Fia phasenweise fast täglich Dutzende von Änderungen be- und verarbeiten.
Auch wenn die definitiven Auswirkungen der Krise noch nicht absehbar sind, so kann doch zumindest aus journalistischer Sicht festgehalten werden: niemand möchte die Erfahrungen der letzten Monate missen. Auch wenn kaum jemand etwas dagegen hätte, wenn die Zeiten wieder einmal etwas ruhiger würden.
Ueli Hoch, AWP-Redaktionsleitung
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