Social Media haben den Journalismus in den letzten Jahren stark beeinflusst. Twitter und Facebook gehören heute in den Redaktionen von Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internetportalen zum Alltag. Die sda in ihrer Funktion als Nachrichten-Grossist verbreitet selbst keine Meldungen über Social Media.
Das heisst nicht, dass die sda-Redaktion Tweets und andere Einträge in der weiten Welt der Social Media nicht nutzt. So stand das Jahr 2012 im Zeichen der Sensibilisierung der ganzen sda-Redaktion für die neuen Medien. Im Rahmen einer Weiterbildung haben uns Social-Media-Spezialisten in die Welt der sozialen Netzwerke eingeführt. Der journalistische Nutzen stand dabei im Zentrum.
Die neuen Medien sind für die sda im Übrigen alles andere als neu. Bereits seit Jahren ist im sda-Handbuch ein Kapitel zum «citizen journalism» zu finden. Mit der gezielten Nutzung von Twitter und Facebook hat die Agentur die nächste Etappe auf dem Weg in die Medienzukunft beschritten.
Seit Frühjahr 2012 verfügt die sda über Richtlinien für Social Media. Eine Arbeitsgruppe, der Mitglieder der Chefredaktion, der Kader und der Redaktion angehörten, hat diese Grundsätze erarbeitet. In einem ersten Teil ist festgelegt, wie sda-Redaktorinnen und -Redaktoren Social Media als Informationsquelle nutzen können. Ein zweiter Teil beschreibt, wie sda-Mitarbeitende sich privat in sozialen Netzwerken verhalten sollten. Die Nachrichtenagenturen AFP, APA und Belga haben ähnliche Richtlinien.
Hinter der Initiative der sda verbirgt sich folgende Philosophie: Social Media bieten Chancen – Zugang zu neuen Informationsquellen – und Risiken – Verbreitung von Falschinformationen – zugleich. Scheuklappen sind nicht angebracht. Der gesunde Menschenverstand sollte bei der Nutzung von Social Media im Zentrum stehen. Das gilt im Übrigen für alle Meldungen, die die sda-Redaktion selektiert und in den Dienst gibt.
Mit anderen Worten: den Grundsatz der Zuverlässigkeit setzen wir auch bei den neuen Medien nicht aufs Spiel. Nachrichten, die über Social Media verbreitet worden sind, unterliegen den gleichen Regeln wie alle anderen Meldungen auch. Wir lassen uns die Fakten bestätigen. Eine Ausnahme machen wir bei Aussagen von Personen, deren Konten verifiziert sind.
So übernehmen wir Aussagen von Persönlichkeiten auf deren Twitter-Account ohne Gegencheck in unseren Dienst. Wenn also Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln kurz vor seinem Unfall twitterte, er gehe nun Badminton spielen, so übernahmen wir dies direkt in unseren Dienst. Das gleiche galt für den Genfer Parlamentarier Carlo Sommaruga, der sich zur Demission von SVP-Nationalrat Peter Spuhler via neue Medien äusserte.
Die Verhaltensregeln für die Kommunikation von sda-Mitarbeitenden in sozialen Netzwerken zielen in eine ähnliche Richtung. Die sda-Chefredaktion ermuntert die Redaktorinnen und Redaktoren, Social Media zu nutzen und sich bei Interesse aktiv daran zu beteiligen. Zugleich appellieren wir an die Mitarbeitenden, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und die übliche Zurückhaltung von Journalisten bei öffentlichen Stellungnahmen zu beachten.
Bei aller Offenheit für die neuen Medien gilt doch der Grundsatz, dass der sda-Nachrichtendienst und damit die Kunden unverrückbar Priorität haben. Wir verbreiten keine sda-Meldungen über Twitter. Dagegen ist es unseren Mitarbeitenden erlaubt, in ihren Tweets einen Link auf sda-Meldungen zu setzen, die auf Nachrichtenportalen veröffentlicht wurden.
Anders als Weltagenturen wie die AFP ist es der sda aufgrund knapper Personalressourcen nicht möglich, mit einem kleinen Team soziale Netzwerke täglich systematisch auszuwerten und selber Accounts zu betreiben. Es bleibt bei der punktuellen Nutzung dieser Medien bei wichtigen Ereignissen.
Um es mit den Worten von François Bougon, Redaktor bei der französischen Tageszeitung «Le Monde» und ehemaliger AFP-Journalist, auf den Punkt zu bringen: «Ein Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, kommt an den sozialen Netzwerken nicht mehr vorbei.»
Béat Grossenbacher, stv. Chefredaktor sda
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