Theodora Peter, Sie geben Ende September die Leitung der Inlandredaktion ab. Weshalb? Nach sechs spannenden und intensiven Jahren ist für mich die Zeit für einen Neuaufbruch reif geworden. Ich habe diesen herausfordernden Job sehr gerne und mit grosser Überzeugung gemacht. Und ich habe die tägliche Zusammenarbeit mit engagierten JournalistInnen in Zentrale, Bundeshaus und den Regionalbüros als Privileg empfunden. All dies wird mir fehlen.
Kehren Sie dem Journalismus den Rücken? Nein, im Gegenteil. Ich möchte wieder vermehrt zum Schreiben kommen. Nach einer Auszeit bis Ende Jahr, die ich auf Reisen in Lateinamerika verbringe, werde ich ab Januar 2014 mit einem kleinen Pensum im Büro Bern als Korrespondentin arbeiten. Daneben werde ich freischaffend tätig sein. Und nicht zuletzt werde ich weiterhin am MAZ als Dozentin für Nachrichtenjournalismus arbeiten. Ich glaube an die Zukunft des Journalismus und habe in der Arbeit mit Stagiaires mit Freude festgestellt, wie viele talentierte JungjournalistInnen etwas bewegen wollen.
Welche Bilanz ziehen Sie nach diesen sechs Jahren als Inlandchefin? Die Bilanz fällt grundsätzlich positiv aus. Ich sah meine Aufgabe nebst der Personalführung unter anderem darin, Abläufe und Strukturen so zu gestalten, dass möglichst viel Substanz in das journalistische Kerngeschäft fliesst und Reibungsverluste klein bleiben. Dabei wurde die Eigenverantwortung insbesondere der Regionalbüros gestärkt und formale Abläufe wurden gestrafft. So konnte das Inland-Desk, das einen immer grösseren Input zu bewältigen hat, teilweise entlastet werden. Bei knapper werdenden Ressourcen sind mitunter kreative Lösungen und eine grosse Flexibilität aller Mitarbeitenden gefragt. Die Leitung eines Ressorts mit über 45 Mitarbeitenden, die an 365 Tagen und während mehr als 14 Stunden täglich produzieren, ist keine One-Woman-Show. Auch deshalb nicht, weil wir zweisprachig aufgestellt sind, und meine französischsprachige Amtskollegin Marianne Biber und ich sowohl inhaltlich wie organisatorisch eng kooperierten.
Welches war das Highlight? Da gibt es viele. Innenpolitisch waren die letzten sechs Jahre hochspannend, von der Abwahl Blochers bis hin zur faktischen Aufhebung des Bankgeheimnisses und seinen Folgen. Natürlich gehören Grosssereignisse wie eidg. Wahlen zu den Höhepunkten jeder Inlandredaktion. Ihre wahre Stärke zeigt die Redaktion aber bei unerwarteten Ereignissen. Mitzuerleben, wie alle Rädchen ineinander greifen und die JournalistInnen zu Hochform auflaufen: das ist mein persönliches Highlight.
Und welches war der Tiefpunkt? Ein Stellenabbau, der ab Ende 2009 für alle Ressorts schmerzhafte Einschnitte brachte. Im Inland strichen wir die dritte Desk-Schicht, was eine Ausdünnung der Inland-Präsenz am Abend zur Folge hatte, aber die Produktionskapazitäten verschonte. Auch mussten wir die Büros in Frauenfeld und Neuenburg schliessen. Immerhin konnten Entlassungen verhindert oder zumindest abgefedert werden. Der Arbeitsdruck ist jedoch nicht kleiner geworden – im Gegenteil.
Welchen Rat geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg? Nicole Meier braucht keine Ratschläge von mir. Ich freue mich, dass eine kompetente und engagierte Kollegin aus dem Inland-Team die Ressortleitung übernimmt.
Theodora Peter, Ressortleiterin Inland (bis September 2013)
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