Die sda hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer passiv reagierenden zu einer aktiv agierenden Nachrichtenagentur gewandelt. Die langjährige Mitarbeiterin Ursula Santschi und die Stagiaire Larissa Tschudi sind überzeugt, dass der rasante Wandel in den kommenden Jahren andauern wird.
Welches Bild hattet Ihr bei Eurem Eintritt von der sda?
Santschi: Ich habe in der Romandie durch eine Drittperson von der sda erfahren. Die Agence Télégraphique Suisse suche Personal, hiess es. Ich dachte zuerst, dass es sich um eine Stelle beim Telegraphenamt handelt, merkte dann aber schnell, dass die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz gemeint war. Das anonyme Schreiben hat mir immer gefallen. Unter anderem bin ich deshalb wohl auch 40 Jahre geblieben.
Tschudi: Zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe ich die sda vor drei Jahren während meiner Tätigkeit für den Medienbeobachtungsdienst Argus. Damals ist mir aufgefallen, wie stark die Medien die Nachrichten der sda nutzen. Eingestiegen in den Journalismus bin ich dann mit einem Praktikum bei der NZZ. Dort ist mir klar geworden, dass ich das Handwerk der Journalistin erlernen möchte. Die Ausbildung (Stage) bei der sda schien mir dafür bestens geeignet.
Welche Realität habt Ihr im Redaktionsalltag angetroffen?
Santschi: Früher haben die sda-Mitarbeitenden weitgehend passiv darauf gewartet, dass Communiqués eintrafen. Französisch- und englischsprachige Meldungen der APF und von Reuters mussten noch übersetzt werden. Das Tempo war eher gemächlich. Die verlängerte Mittagspause war ebenso normal wie die 32-Stunden-Woche bei einem 100-Prozent-Pensum. Das alles wäre heutzutage unvorstellbar. Die sda-Redaktion arbeitet heute professionell, ist aktiv und entwickelt viele eigene Ideen. Das Tempo hat sich massiv erhöht.
Tschudi: Ich bin bei meinem Einstieg vor gut einem Jahr davon ausgegangen, dass die sda viel Wert auf Genauigkeit legt. Das habe ich in der Realität auch so angetroffen. Überrascht war und bin ich vom Ausmass der Informations- und Meldungsflut, die es tagtäglich zu bewältigen gilt. Noch immer gibt es viele Texte, die übersetzt werden. Das gefällt mir, da ich gerne mit der französischen Sprache arbeite.
Vor welchen Herausforderungen steht Eurer Meinung nach die sda in den nächsten Jahren?
Santschi: Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass mir etwas unwohl ist, dass die sda die einzige Nachrichtenagentur in der Schweiz ist. Ich habe die Konkurrenz mit der AP als inspirierend erlebt. Die sda sollte in Zukunft noch stärker auf die eigenen Stärken setzen statt dem Medienhype nachzurennen. Die sda muss für die Medien unentbehrlich bleiben. Dazu gehören ein solider, seriöser Nachrichtenteppich und im Zeitalter der Internet-Portale die schnelle Information. Ausbauen könnte die sda die eigenen Recherchen und die Berichterstattung aus dem Bundeshaus, auf die sich viele Medien abstützen. Aber die sda könnte auch neue Angebote wie Konsumententhemen, mehr vermischte Meldungen oder eine Rubrik «Stimme des Volkes» (Leserbriefe?) lancieren.
Tschudi: Ich frage mich gerade, weshalb die sda nicht eine Leser-Reporter-Hotline hat. Aber zurück zur Frage: die sda muss die zuverlässige Institution bleiben, die sie heute ist. Sie ist das Sicherheitsnetz für viele Medienschaffenden – der Check für die eigene Berichterstattung, aber auch die Ergänzung zum eigenen Angebot. Die Gewichtung von Themen, die Alarmierungsfunktion, die Triage der weiter zunehmenden Meldungsflut und die Verifizierung der Informationen – hier wird die Agentur sicher auch künftig eine wichtige Rolle spielen.
Ursula Santschi (64) hat im Januar 1971 als Redaktorin bei der sda angefangen. Sie hat während über 40 Jahren in der Ausland- und Inlandredaktion gearbeitet. Neben ihrer Tätigkeit in der Zentrale in Bern war sie immer wieder auch als Korrespondentin im Bundeshaus im Einsatz. Ende Mai 2013 ist Ursula Santschi in den Ruhestand getreten.
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| Larissa Tschudi (30) ist Anfang Oktober 2012 zur sda gestossen. Sie absolviert derzeit eine zweijährige Ausbildung. Ihr Stammressort ist die Ausland-/Online-Redaktion. Frau Tschudi hat nach ihrem Studium der Politikwissenschaften zunächst beim EDA gearbeitet. Später war sie für den Medienbeobachtungsdienst Argus tätig, absolvierte ein Praktikum bei der NZZ und kam dann zur sda. | Winfried Kösters, stv. Chefredaktor
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