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Wir blenden zurück in die 40-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Zweite Weltkrieg wütet in Europa. Die Desinformation regiert in der Nachrichtenwelt. Zu dieser Zeit lauscht der französische Bildhauer Jean-Louis Faure täglich die gesprochenen Nachrichtenbulletins der Schweizerischen Depeschenagentur über den Westschweizer Radiosender Sottens. Es ist zu jener Zeit die einzige objektive Informationsquelle über den Kriegsverlauf. Dem jungen Faure prägen sich die Worte des Nachrichtensprechers René Payot ein, mit denen jedes Radio-Bulletin beginnt: «Die Schweizerische Depeschenagentur in Bern bringt nun die neuesten Nachrichten». Dieses Ritual animiert den Bildhauer zu einer Skulptur, die er soeben an einer Vernissage der sda übergeben hat.
Die Stimme von René Payot und die sda in frischer Erinnerung macht sich Faure ans Werk. In der typischen Manier eines Künstlers lässt er seiner Fantasie freien Lauf. Und so lässt er Assurbanipal, den König des Assyrischen Reiches von 669 bis 631 vor Christus, in der Skulptur in Erscheinung treten. Assurbanipal verschiesst drei Pfeile, die eine in Agonie versunkene Löwin durchbohren. Und ein zweites Element der Skulptur sticht ins Auge. Zuoberst ist ein Sony-Radio zu sehen, das während eines Grossbrandes halb verkohlt gerettet werden konnte. «Die erste lautschriftliche Aufnahme der Welt», betitelt der Bildhauer sein Werk.
«Faure ist ein Künstler und Historiker, dessen Skulpturen keine Possen scheuen», beschreibt der Waadtländer Journalist und Schriftsteller Charles-Henri Favrod das Werk. Und er fährt fort: «Faures Skulptur spornt den Geist an und ruft Reaktionen hervor. Er verwirrt den Betrachter und provoziert zugleich.» Wer Faure in Paris und anlässlich der Übergabe der Skulptur an die sda erlebt hat, spürt die fesselnde, grosszügige und demütige Persönlichkeit des Künstlers und dessen alles aufsaugende Neugier. Wer sich mit Faure unterhält, muss sich auf einen leidenschaftlichen Dialog gefasst machen.
Im Rahmen einer kleinen Zeremonie übergab Faure am 20. April der sda die Skulptur. René Roudaut, französischer Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein, nahm an diesem Anlass ebenfalls teil. Er würdigte die menschlichen Qualitäten und die enorme Schaffenskraft des Künstlers.
Bernard Maissen, Chefredaktor der sda, stellte bei seiner Würdigung die unverändert gültige Mission der sda in der Medienwelt ins Zentrum. Die hohen Werte, die der ehemalige Nachrichtensprecher Payot verkörpert habe, lebe die sda heute wie damals. An Faure gewandt sagte Maissen, die Skulptur werde die sda-Mitarbeitenden täglich an diese Werte erinnern. «Seien sie versichert, dass wir zu Ihrem Werk und seiner Bedeutung Sorge tragen werden.»
Béat Grossenbacher, stv. Chefredaktor |